Tilman Birr – On se left you see se Siegessäule

Von Arno Wilhelm , 0 Kommentare
Samstag, 16. Juni 2012
Bild von Tilman Birr
Tilman Birr
Foto: Sarah Bosetti

Tilman Birr hat ein lustiges Buch geschrieben. „On se left you see se Siegessäule“ handelt von einem Stadtbilderklärer, der genauso heißt wie Tilman und der ebenfalls in Berlin wohnt. Kann das ein Zufall sein? Arno Wilhelm hat das Buch gelesen und Antworten auf diese und zahlreiche weitere Fragen gefunden, die er sich so wohl nie gestellt hätte.

Wie verhält man sich, wenn einen Uni-Bekanntschaften auf eine Swinger-Party einladen? Was zieht man an, wenn man mit Lemmy ins Kasino geht? Warum hat Berlin mehr Brücken als Venedig? Wie geht man mit paranoiden Stadtbilderklärern um? Was tut man nach dem Studium, wenn man dem Ernst des Lebens noch eine Weile fern bleiben will?

Buchcover: Tilman Birr – On se left you see se Siegessäule
Tilman Birr – On se left you see se Siegessäule

Um all diese Fragen geht es in Tilman Birrs Roman „On se left you see se Siegessäule“, der episodisch aus Kurzgeschichten aufgebaut ist, die immer wieder aufeinander Bezug nehmen. Tilman sucht nach seinem Studium einen Job, der es ihm ermöglicht, ohne zu viel Stress und Verantwortung sein Leben zu führen. Er wird Stadtbilderklärer auf einem Schiff und zeigt Touristen die Stadt, ausgestattet mit jeder Menge historischem Wissen und einem waschechten urberliner Kellner. Die Geschichten sind sehr humorvoll, Tilmans Sprachwitz zwingt einen förmlich dazu, weiterzulesen. Der Mikrokosmos aus Mitbewohnern, Kollegen, Touristen und ehemaligen Kommilitonen, der ihn umgibt, bringt ihn immer wieder aufs neue in amüsante Situationen und lässt ihn zahlreiche Einsichten über den Berliner an sich ebenso wie über die Touristen, die nach Berlin kommen, gewinnen.

Dabei geht er elegant und vielfältig mit Klischees um, mal bedeckt er den Leser geradezu damit, nur um sie im nächsten Augenblick zu entkräften oder in Frage zu stellen, mal umschifft er sie großzügiug. Wer mag, bekommt bei der Lektüre im Vorbeigehen auch noch einiges an Geschichtswissen vermittelt, ohne dass langweilige Erklärungen oder Info-Kästen vonnöten wären. Der Roman hat einige unverkennbar autobiographische Züge und lässt vor allem in Berlin Ansässige viele Möglichkeiten, sich in den Geschichten selbst wiederzuerkennen. So lässt sich das Buch auf mehreren Ebenen lesen: Einerseits eine Ansammlung amüsanter Kurzgeschichten mit wieder auftauchenden Figuren und einem zusammenhängenden Thema, andererseits eine Reflexion über das Erwachsenwerden, über Verantwortung und den Übergang vom Studium ins sogenannte „wahre“ Leben.
Ein Buch für Berliner, Berlin-Touristen und solche, die eins von beidem werden wollen.

Wer sich von Tilman die Stadt erklären lassen will, kann das Buch bei Amazon oder direkt beim Verlag für 16,99 € erwerben. Das Buch gibt es auch als Hörbuch.

Arno Wilhelm

Ich schreibe gerne alle möglichen Dinge. Seien es eine Menge Rezensionen hier auf Slammin' Poetry in den letzten Jahren, Gedichte für meine Lesebühne 'Dichtungsring' im Laika in Neukölln oder auch Geschichten und Romane. Mein zweiter Roman 'Was man so alles tut kurz vor dem Weltuntergang' erschien im Mai 2019 in der edition tingeltangel.

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