Stef; Hensel, Sven: Fantastische Queerwesen und wie sie sich finden

Von Arno Wilhelm , 0 Kommentare
Montag, 14. Oktober 2019
Die Herausgeber Stef (Foto: Christof Wolff) und Sven Hensel (Foto: Denise Bretz)
Die Herausgeber Stef (Foto: Christof Wolff) und Sven Hensel (Foto: Denise Bretz)

Die Poetry Slammer Stef und Sven Hensel haben in der Anthologie „Fantastische Queerwesen und wie sie sich finden“ unterschiedlichste Texte vereint, die auf spannende Art Einblick in LGBTIQ*-Lebensrealitäten unterschiedlichster Art geben. Arno Wilhelm hat das Buch für euch gelesen.

Buchcover: Stef; Hensel, Sven (Hrsg.): Fantastische Queerwesen und wie sie sich finden
Buchcover: Stef; Hensel, Sven (Hrsg.): Fantastische Queerwesen und wie sie sich finden

Stef und Sven Hensel haben die erste deutschsprachige queere Slam-Anthologie zusammengestellt und lassen es sich auch nicht nehmen, sowohl ein Vor- als auch ein Nachwort dafür zu verfassen. Sie haben die Texte von 36 Autor*innen in diesem Buch vereint.

Gleich zu Beginn fallen die durchdachten Kombinationen aus Kapitelnamen und zugehörigen Illustrationen ins Auge. Den Anfang macht „Herausfinden“ mit einem Bild, das Ausbruch oder Befreiung symbolisieren mag. Die Texte sind thematisch geordnet. Meist geht es auf unterschiedlichste Art darum, wie Menschen festgestellt haben, „anders“ zu sein. Auf irgendeine Art nicht dazuzugehören. Sei es die Reaktion anderer auf die eigene Sexualität, das Infragestellen der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Geschlecht oder die Frage, ob man sich nun zu Männern oder Frauen hingezogen fühlt. Auf unterschiedlichste Arten und Weisen werden die alltäglichen Schubladen hinterfragt. Die Sichtweisen sind dabei so wunderbar unterschiedlich, dass man beim lesen eine Vielzahl an Eindrücken bekommt. Wie fühlt sich jemand, von dem das ganze Umfeld ohne jeden Zweifel erwartet, dass er sich eines Tages outet? Warum kann ein Kind nicht im Dreck spielen und gleichzeitig Prinzessin sein? Wann ist ein Mann ein Mann? Welche Klamottenabteilung darf ein Mensch nutzen? Viele Fragen, ohne dass die Texte immer eine auflösende Antwort parat haben müssen. Interessant ist dabei auch, wie unterschiedlich Textarten und auch Stimmen in den Texten sind.

Was würde es bedeuten, einem Freund seine Gefühle zu offenbaren? Und warum ist Liebe wie eine Katze? Mal sind die Texte humorvoll und mal tiefster Ernst, aber immer interessant. Gerade der Kontrast Großstadt und Kleinstadt und die Wichtigkeit, sich selbst zu lieben, sind große Themen. Sex, Liebe und Lust kommen nicht zu kurz, ebenso wie eine Vielzahl an Erfahrungen irgendwo zwischen dem Erleben von Toleranz, Verständnis und Intoleranz.

Insgesamt ist es ein sehr empfehlenswertes Buch, das den Blick auf die Welt auf spannende Art verändern kann.

Zu etlichen Texten gibt es auch Aufnahmen, die über QR-Codes zu erreichen sind. Diese verleihen den Texten nochmal eine ganz besondere Nuance.

„Fantastische Queerwesen und wie sie sich finden“ ist im Satyr Verlag erschienen und kann für 14,00 Euro im Verlagsshop oder auch bei Amazon erworben werden. Die Anthologie ist auch als eBook erschienen.

Arno Wilhelm

Ich schreibe gerne alle möglichen Dinge. Seien es eine Menge Rezensionen hier auf Slammin' Poetry in den letzten Jahren, Gedichte für meine Lesebühne 'Dichtungsring' im Laika in Neukölln oder auch Geschichten und Romane. Mein zweiter Roman 'Was man so alles tut kurz vor dem Weltuntergang' erschien im Mai 2019 in der edition tingeltangel.

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