Slam 2010 - Porno schlägt Koks

Von Matthias Niklas , 0 Kommentare
Samstag, 13. November 2010
Bild vom Teamhalbfinale in Oberhausen beim Slam 2010
Teamhalbfinale in Oberhausen

Der dritte Wettbewerbstag der deutschsprachigen Slammeisterschaften ist vorüber, und die drei Finalrunden werden mit Spannung erwartet. Das Feld ist weit offen, klare Favoriten gibt es kaum noch, und die Wettrunden drehen durch. Aus Essen und Oberhausen berichten Ulrike Schuster und Matthias Niklas.

Mit der eingebetteten Berichterstattung ist das so eine Sache. Wenn man dem Tagesrhythmus der Slammer folgt, bleibt einem wenig Zeit dazu, sich schreibend in eine Ecke des Freibeuters in Bochum zu verziehen, und die Zeit, die man hätte, braucht man zum Schlafen. Was der Rest des Redaktionssteams auch tut.

Wie war der dritte Tag hier in Bochum und Umland? In Oberhausen fand je eine der Halbfinalrunden im Einzel und im Teamwettbewerb statt, und Lars, Sascha und ich waren filmend, fotographierend und mitschreibend dabei, wenn wir uns nicht gerade mitreißen ließen. Nur Uli wollte lieber Außenreporter in Essen spielen, und wir hoffen, im Laufe der nächsten Stunden ihren Bericht eingespielt zu bekommen.

Das Ebertbad in Oberhausen war zum Einzelhalbfinale gut gefüllt, und alle zuschauenden Slammer wurden auf der Empore eingepfercht, was den Unterschied zwischen Slam- und Zuschauermeinung teilweise extrem deutlich machte. Die Jury ließ sich von den lautstarken Bei- und Abfallsbekundungen jedoch nicht beeindrucken und zog ihr Ding durch, manchmal nachvollziehbar, und manchmal mit seltsamen Ausreißern in Richtung der Sechsen und Zehnen. Am Ende wurde es denkbar knapp. Torsten Sträter schaffte es nicht, mit seinem Text über Waschmittelkoksen noch Des Toms Brandrede für die Legalisierung des Nachmittagspornos vom vierten Platz zu stoßen, und an Pierre Jarawans 49,5 Punkten führten keine Wege mehr vorbei.

Aus Essen berichtet Uli:

Das Grillo-Theater bot eine eindrucksvolle Kulisse für Einzel- und Teamhalbfinale. Zum Einzelhalbfinale wurde die Stimmung im Gegensatz zu den meisten Vorrunden zum ersten mal einer deutschsprachigen Meisterschaft gerecht: Spätestens nach dem zweiten Starter Nektarios Vlachopolous war jeder unerfahrene Zuschauer slam-euphorisiert. Der Jury war sein Auftritt ganze 43 Punkte wert. Im weiteren Verlauf waren die Wertungen jedoch nicht immer nachvollziehbar. Letztendlich schaffte es dann Martin Sieper mit seinen tragische Kindheitserlebnissen dank Streichwertung mit ebenfalls 43 Punkten ins Finale. Außerdem setzte sich Daniel Wagner mit einem Text über Deutschlands skurille Städtenamen gegen Slam-Größen wie Tobi Kunze und Yasmin Hafedh durch. Er erreichte ganze 46 Jury-Punkte. Jasper Diedrichsen folgte ihm mit einem Text über die hohe Geschwindigkeit unserer Gesellschaft und einer Wertung von 43,5 Punkten. Zu guter Letzt flashte Patrick Salmen die Zuschauer mit seinem Männlichkeits-Manifest und raste mit 47,5 Punkten und Platz Eins dieser Runde ins Finale.

Einzel-Halbfinale Oberhausen, Ebertbad:

  • Pierre Jarawan
  • Till Reiners
  • Franziska Holzheimer
  • Der Tom

Einzel-Halbfinale Essen, Grillo-Theater:

  • Patrick Salmen
  • Daniel Wagner
  • Jasper Diedrichsen
  • Martin Sieper

Nicht ganz so stark besucht – weswegen die Slammer jetzt auch unten sitzen durften – war das Teamhalbfinale in Oberhausen, und es war eine der stärksten Veranstaltungen der gesamten Meisterschaften. Die Teams rockten und rotzten, beatboxten und kontrapunkteten, tosten und virtuosten, was die Lunge und die Kondition nach zweieinhalb Tagen Slam hergab. Sergio Garau gab als Opferlamm vor, was es zu erreichen galt – die Zuschauer von den Stühlen zu fegen und mitzureißen.

Und bevor mein Sprachzentrum weiter mit mir durchgeht, zurück zu Uli nach Essen:

Und das ist auch gut so, denn hier kochte die Stimmung im Grillo-Theater mehr denn je. Team und Struppi legten ordentlich vor mit 47, 5 Punkten und jede Menge falsche Wahrheiten heraus. Team Totale Zerstörung brachte das Publikum mit „Girls, Girls, Girls“ in Wallung und entlockte der Jury ganze 48 Punkte! Außerdem ins Finale slammte sich Team Rocket mit einem brillanten Text an den Sommer. Sie erreichten ebenfalls 47,5 Punkte.

Team-Vorrunde Oberhausen, Ebertbad:

  • Le Poonie (Carmen Wegge und Bente Varlemann)
  • Allen Earnstyzz (Julian Heun, Temye Tesfu und Stefan Dörsing)
  • Team Tübingen (Harry Kienzler und Jakob Nacken)

Team-Vorrunde Essen, Grillo-Theater:

  • Team Totale Zerstörung (Julius Fischer und André Herrmann)
  • Team und Struppi (Moritz Neumeier und Jasper Diedrichsen)
  • Team Rocket (Lars Ruppel und Bo Wimmer)

Und jetzt geht es ab zu den Finals!

Text: Ulrike Schuster und Matthias Niklas

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