Slam 2010 - Ankünfte und Aufbrüche

Von Matthias Niklas , 0 Kommentare
Donnerstag, 11. November 2010
Bild vom Slam 2010 Plakat im Ruhrgebiet
Ruhrgebiet ist Slamgebiet

Es ist der Morgen nach den ersten Vorrunden der 14. deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften. Die ersten 13 Halbfinal-Teilnehmer stehen fest, und es waren einige Überraschungen dabei. Der heutige Abend wird mit Spannung erwartet.

Der National. Vier Tage die Créme de la Slam. Vier Tage Einzelwettbewerb, U20-Wettbewerb, Teamwettbewerb. Vier Tage After-Show-Parties und Lucky-Loser-Runden, zu wenig Kaffee und zu wenig Schlaf. Vier Tage Duisburg, Oberhausen, Essen, Bochum. (Und Herne.) Und Slammin' Poetry ist dabei. Als eingebettete Journalisten begleiten wir die Wettstreiter von der Ankunft im Bermudadreieck bis zum Finale am Samstagabend, wenn die drei deutschsprachigen Meistertitel des Jahrs 2010 vergeben werden.

Der erste Tag wirkt wie eine Mischung aus Klassenfahrt und Klassentreffen. Slammer aus allen Ecken des deutschsprachigen Raumes stürmen die Lobby der Jugendherberge im Bochumer Bermudadreieck. (Nein, mir ist keine Metapher durchgegangen, das heißt wirklich so. Im Pott ist die Welt noch etwas abenteuerlicher.) Sebastian23 moderiert ab und zu die Ankunftsschlange und beweist somit, daß man wirklich jedes Geschehen moderieren kann, manch U20-Slammer steht eingeschüchtert in der Ecke herum, und überall schnautzen sich liebevoll Leute an oder umarmen sich, als hätten sie einander seit zehn Jahre nicht gesehen.

Kaum sind alle untergebracht, müssen sie auch schon wieder weiter. Die acht Vorrunden des National verteilen sich über zwei Tage und vier Städte – oder zumindest über vier Stadtteile des Ruhrgebiets. Wir haben uns für die Vorrunde 1 im Grend in Essen entschieden. Und schon am ersten Abend merkt man nicht nur bei uns, sodern auch bei den restlichen Vorrunden, daß der National immer ein bißchen anders und für Überraschungen gut ist. Das Publikum ist nicht so slamerfahren, wie man es gewohnt ist, und kann dadurch sehr unberechenbar sein – wer keine Favoriten kennt, kann auch keine Favoriten haben. Und während Jurywertungen normalerweise im Laufe des Abends steigen, schlängeln sie sich in Essen an diesem Abend gemütlich um die 8.5 herum, mit sehr seltenen Ausreißern nach oben oder unten. Nur Moritz Kienemann wird trotz seiner ausdrucksstarker Performance und des gelungenen Textes Opfer seines Startplatzes ganz vorne im Feld. Am Ende sind es drei Slammerinnen, die diese Runde für sich entscheiden: Theresa Hahl, die nach unserem gegenwärtigen Stand die höchste Wertung aller vier bisherigen Vorrunden für sich beanspruchen kann, U20-Vorjahresmeisterin Yasemin Hafedh und JaNaKlar für Jena, die ihr Glück kaum fassen kann, als die letzte Wertung des Abends vorüber und ihr Einzug ins Halbfinale sicher ist. Der letztjährig Zweitplatzierte Christian Ritter scheidet dahingegen überraschend aus.

Aber auch an anderen Orten des Potts gibt es in unserer Abwesenheit ein paar Überraschungen. In Duisburg scheidet Vorjahresmeister Philipp Scharrenberg aus und in Oberhausen kann sich der als Mitfavorit für den Titel gehandelte Julius Fischer nur noch den Platz im Lucky Loser-Wettbewerb sichern. Und in Herne suchen sie erst noch die U20-Teilnehmer für Nordrhein-Westfalen.

Die ersten Halbfinalisten im "Einzel" sind:

Vorrunde 1, Grend, Essen:

  1. Theresa Hahl
  2. Yasemin Hafedh
  3. JaNaKlar

Vorrunde 2, Freibeuter, Bochum

  1. Jasper Diedrichsen
  2. Schriftstehler
  3. Anke Fuchs

Vorrunde 3 – Hundertmeister, Duisburg

  1. Nektarios Vlachopoulos
  2. Bleu Brode
  3. Martin Sieper

Vorrunde 4 – Altenberg, Oberhausen

  1. Der Tom
  2. Tilmann Döring
  3. Sevi

Nach den Vorrunden gibt es einen Sternmarsch auf den Freibeuter in Bochum, wo offiziell der erste Lucky-Loser-Slam und eigentlich die erste After-Show-Party stattfindet. Der Lucky-Loser-Slam ist ein Slam der Vorrunden-Viertplatzierten um den 13. Platz in einem der Halbfinale, und nicht nur wegen seiner überschaubaren Größe, sondern vor allem wegen seines Publikums etwas besonderes: Fast alle Zuschauer sind Slammer, und diese Tatsache, kombiniert mit der späten Stunde, sorgt für grandiose, ausgelassene Stimmung, die allen die Möglichkeit gibt, ein wenig Dampf abzulassen und sich Frust weg- oder Mut anzufeiern. Knapp vor Julius Fischer schafft Björn Högsdal es, sich vom Publikum ins Halbfinale hieven lassen – und danach endet die offizielle Berichterstattung für den ersten Tag, den auch die Slammin' Poetry-Redaktion macht mal Feierabend.

Wir sind sehr gespannt, wie sich das Feld weiter entwickeln wird und ob auch der heutige Tag so viele Überraschungen bereithält. Der Favorit von Lars ist jedenfalls noch im Rennen, was auch kein Wunder ist, denn er musste noch nicht antreten, und ich habe mir noch keinen neuen gesucht.

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