Sarah Bosetti – Wenn ich eine Frau wäre

Von Ulrike Schuster , 0 Kommentare
Montag, 14. Mai 2012
Bild von Sarah Bosetti
Sarah Bosetti
Copyright: Sarah Bosetti

Die Berliner Filmemacherin, Autorin und Slampoetin Sarah Bosetti hat vor wenigen Wochen ihr erstes Buch „Wenn ich eine Frau wäre“ veröffentlicht. Premiere feierte die Slamgemeinde am 13. April im Kaffee Burger in Berlin. Ulrike Schuster hat die gesammelten Werke gelesen und erzählt von ihren Eindrücken.

Von Kloschüsselromantik und Michelinfrauen

Rot ist nicht nur die Farbe eines landläufigen Kreditinstituts, sondern auch die Farbe der Liebe und die des Erstlingswerks von Sarah Bosetti. Nun ja, in „Wenn ich eine Frau wäre“ geht es tatsächlich ein bisschen um Liebe - aber auch um wutentbrannte Sparkassenkunden, knautschige Omis und widerwärtige Monster im eigenen Bett. Mit kühlem bis bitterbösem Humor werden die Belanglosigkeiten des Pärchen-Alltags vom Künstlerpaar Ulf und Sarah in kleinen Episoden treffsicher pointiert, Klischeegeschichten aus Pubertät und Post-Pubertät verarbeitet oder einfach nur lang gehegte Phantasien ausgelebt – immer umweht von Berliner Großstadtluft oder auch mal von brandenburgischem Landmief.

Buchcover: Sarah Bosetti – Wenn ich eine Frau wäre
Sarah Bosetti – Wenn ich eine Frau wäre

Auch die ordentliche Portion Performancekunst darf natürlich in einer Geschichte, die in Berlin spielt, nicht fehlen. In diesem Buch ist jedoch das selbstironische Augenzwinkern nicht zu überlesen. Seinen Höhepunkt findet die Geschichte zwischen Tischtennis-Saufen und Haare-Halten im Kapitel „Der Duft einer brechenden Rose“: Die aufkommende Kloschüsselromantik treibt dem sensiblen Leser (mir) Tränen in die Augen. Denn wir alle wissen insgeheim, dass Liebe auch mal ein bisschen streng riechen muss – ob nach zahnbürstenloser Nacht oder nach Erbrochenem.

Jeder Mann, der Frauen manchmal etwas sonderbar findet (also jeder) sollte dieses Buch lesen, um zu verstehen, welche Nichtigkeit sich teilweise hinter den weiblichen Eigenarten verbirgt. Wenn Sarah Bosetti keine Frau ist, dann ist sie in jedem Fall ein Frauenversteher.

Weder pathetische Betroffenheitslyrik noch schleimiges Groschenromangeschwafel füllen die gut 118 Seiten. Es ist einfach ein fluffiges, rotes Buch. Sarah macht dem so genannten Ernst des Lebens mit Leichtigkeit den Gar aus: Alle Lebenslagen - auch die schwierigen - werden relativiert und die Welt erscheint als großer Abenteuerspielplatz mit viel Raum für Gebraucht-Toupets, Möbel-Tetris und Trips ins Supermarktkassen-Nirvana.

Die gefürchtete Utopie einer Welt voller Michelinmännchen und -weibchen, die sich nur durch die ständige „Findest du mich etwa fett?“-Fragerei der weiblichen Artgenossen unterscheiden, wird in jedem Fall nicht eintreffen, solange es noch Frauen wie Sarah Bosetti gibt. Wer wissen will, welch multiple Persönlichkeit sich hinter dem Synonym für uniformierte Höflichkeit „Herr P. Immeldorn“ verbirgt, sollte dieses Buch dringend kaufen. „Wenn ich eine Frau wäre“ gibt es zum Beispiel bei Amazon. "Gefällt mir" drücken könnt ihr hier.

Kommentare