Philipp Scharrenberg – Kann denn Liebe Syntax sein?

Von Arno Wilhelm , 0 Kommentare
Montag, 20. Januar 2020
Philipp Scharrenberg, Foto: Pierre Jarawan
Philipp Scharrenberg, Foto: Pierre Jarawan

Philipp Scharrenberg hat in seinem Gedichtband „Kann denn Liebe Syntax sein?“ dreizehn Jahre feinster Dichtung versammelt. So witzig wie vielfältig und handwerklich hochwertig, dass es beeindruckt. Arno Wilhelm hat das Buch für euch gelesen.

Philipp Scharrenberg - Kann denn Liebe Syntax sein?
Philipp Scharrenberg - Kann denn Liebe Syntax sein?

Philipp Scharrenberg begrüßt den Leser in einem kurzen Vorwort, das erklärt, weshalb er sich entschlossen hat, die Texte thematisch statt nach dem Jahr ihrer Geburt zu sortieren. Für den geneigten Chronisten finden sich die Jahreszahlen aber zu jedem Text im Inhaltsverzeichnis. Scharri war sowohl einzeln als auch im Team schon Sieger der deutschsprachigen Meisterschaften im Poetry Slam, bereist die Kabarettbühnen erfolgreich und ist für seine ausgefeilte Lyrik bekannt. Jedes Jahr moderiert er den Kleinkunstwettbewerb St. Ingberter Pfanne – die gereimten kunstvollen Anmoderationen postet er auf Facebook, was jedes Mal unterhaltsame Lektüre bietet. Nun hat er seine Gedichte zwischen zwei Buchdeckel gepresst und stellt sich dabei den unterschiedlichsten Themen. Warum Bühnenbretter ihm die Welt bedeuten, wie sich Dichter duellieren oder wie ein Verb mal ein Nomen sein wollte. Häufig ist die Sprache und Dichtung selbst ein Thema, die Reime sind überraschend und beeindruckend in ihrer Vielfalt. Zwischendurch streut Scharri großartigen Unfug.

Auch der Mensch und Zwischenmenschliches dürfen nicht fehlen. Seien es Beziehungsanalysen, ein Brief an die lauten Nachbarn oder eine Betrachtung des Menschen als Baustelle. Neben ernsten Zwischentönen dürfen selbstverständlich ein paar Anspielungen auf Klassiker nicht fehlen, seien es Mörike, Erhardt oder eine Neufassung von Goethes Erlkönig.

Sehr unterhaltsam ist auch ein Fantasy-Gedicht mit Handlungsverzweigungen, bei dem der Leser entscheiden darf, wie es weitergeht. Hübsch übersichtlich ist es auch als Audioversion verfügbar. Scharrenbergs Bühnenklassiker wie das „Kochen bei Kants“ sind natürlich ebenfalls mit an Bord.

Cora Otté hat dem Buch schöne, passende Illustrationen beigesteuert und diverse Texte sind mit QR-Codes zum Nachhören versehen.

Insgesamt ist das Buch ein unterhaltsamer Überblick über das Scharrenberg-Schaffen und die Vielfalt von gereimter Sprache, das man jedem Freund von Slam, Reim und/oder Sprache im Allgemeinen nur ans Herz legen kann.

„Kann denn Liebe Syntax sein?“ ist im Satyr Verlag erschienen und kann im Verlagsshop oder bei Amazon für 14 Euro erworben werden.

Arno Wilhelm

Ich schreibe gerne alle möglichen Dinge. Seien es eine Menge Rezensionen hier auf Slammin' Poetry in den letzten Jahren, Gedichte für meine Lesebühne 'Dichtungsring' im Laika in Neukölln oder auch Geschichten und Romane. Mein zweiter Roman 'Was man so alles tut kurz vor dem Weltuntergang' erschien im Mai 2019 in der edition tingeltangel.

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