Peh - "Angeschossen"

Von Ulrike Schuster , 0 Kommentare
Montag, 5. April 2010
Peh

Die Leidenschaft und die Lebendigkeit von Poetry Slam - eingefangen aber keineswegs gefesselt – in einem schmalen Büchlein: Das ist „Angeschossen“! Die kleine Sammlung der besten Slam- und Poesie-Texte von Peh aka Paula Gelbke versprüht mindestens genauso viel Energie und Charme wie die deutschlandweit erfolgreiche Performance-Poetin auf der Bühne.

Meine anfängliche Skepsis hinsichtlich der Lesewirkung von Poesie, die vorrangig für die Bühne geschrieben ist, verfliegt nach wenigen Zeilen. Das kurze Intro und Resumee zugleich verspricht wenig Romantik und Schönmalerei auf den folgenden Seiten und dürfte die Anhänger der Friede-Freude-Eierkuchen-Mentalität und all diejenigen, die an Prinzen auf weißen Rössern und ein Leben in Luftschlössern glauben, ein wenig desillusionieren. Es folgen 72 Seiten beeindruckender, sinnlicher und tiefgründiger Poesie, wie man sie kennt von der Berliner Vize-Stadtmeisterin 2008. Der Leser wird mitgenommen auf eine Reise voller Gefühlschaos und Coolness, Intimität, Realität und Konfrontation mit dem Leben - Gänsehaut war mein persönlicher Begleiter. Fast wie ein Puzzle meint man die Texte zusammensetzen zu können zu einer emotionalen Landkarte, auf der sich jeder zu Recht findet, der schon einmal Herzschmerzen oder leichte bis mittelschwere Sinnkrisen hatte. Ehrlich, unverhüllt und mit einer sprachlichen Leichtigkeit – mal geradlinig auf den Punkt gebracht und mal metaphorisch um die Ecke gedacht – kommen die 25 dichterischen Werke daher.

Buchcover: Peh – Angeschossen
Peh – Angeschossen

Den Anfang des Poetry-Trips macht das Szenario, ja so könnte man es nennen,  „Großstadtmär eines Flirts“: Es wird die Entwicklung einer Liebesbeziehung vom ersten Kuss bishin zur Scheidung und zum erneuten Single-Dasein skizziert. Doch auch ohne klassisches Happy-End (oder gerade deswegen) relativiert sich jeder Liebeskummer, denn „…so wie es ist… ist eigentlich alles ganz wunderbar…“ – auch ohne Traumprinz, der seinen Namen ohnehin nicht ganz unbegründet trägt. Oder gibt es ihn etwa doch? Bloß „Zur falschen Zeit am falschen Ort“? Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Herzklopfen, Sehnsucht und immer dieser zarte Hauch von Sinnlichkeit beleben jedes einzelne Gedicht. Mal sind es Gedankenfetzen, die sich an kühlen Februartagen ihren Weg aufs Papier bahnen, mal sind es balladenhafte Episoden.

„Es gibt diese Tage und es ist egal ob sie unter einer Wolkendecke schlafen oder unter blauem Himmel strahlen… an diesen Tagen ist es das schlimmste was dir passieren kann, wenn niemand zu erreichen ist: Kein Rettungsring, nicht mal ein Strohhalm… geschweige denn: Land in Sicht.“ Schlafende Erinnerungen werden in „Es gibt diese Tage“ geweckt und das Gefühl von Einsamkeit wird in lebensdurstige Hoffnung verwandelt. Das Gefühl von ‚Da kann was sein!’ begleitet den empfindsamen Leser nicht nur bei diesem Text! „Schnall dich an. Halt dein Herz fest. Denn das Leben… das geht weiter!“ – das ist die Aufforderung von „Angeschossen“.

Viele der Texte gibt es auf www.peh-land.de zu hören. Doch auch ohne Pehs Stimme verlieren die Werke keineswegs ihre bewegende Wirkung. Fazit: Mehr als lesenswert! Erschienen ist dieses kleine ungezwungene Büchlein beim Kyrene-Verlag und kann für 12,50 Euro - zum Beispiel bei amazon - erworben werden.

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