Patrick Salmen – Tabakblätter und Fallschirmspringer

Von Ulrike Schuster , 0 Kommentare
Donnerstag, 2. August 2012
Bild von Patrick Salmen mit Kreissäge
Patrick Salmen
Foto: Uwe Lehmann

Patrick Salmen hat in diesem Jahr seinen zweiten Geschichten-Band veröffentlicht. Über sein literarisches Debüt im vergangenen Jahr haben wir berichtet. In seinem zweiten Buch befinden sich ausschließlich Prosatexte. Ob die fehlende Lyrik der Poesie einen Abbruch tut? Ulrike Schuster hat sich mit den gesammelten Werken beschäftigt.

Das liebevoll illustrierte Cover von Jeannette Woitzik wird den 139 Seiten träumerischer Prosa voll und ganz gerecht. Denn wie gewohnt erschafft der sympathische Wuppertaler und Poetry-Slam-Meister 2010 in seinen Texten eingängige Bilderwelten. Wie in „Distanzen“ nimmt Salmen in „Tabakblätter und Fallschirmspringer“ die Rolle des stillen Beobachters und Rezipienten seiner Umwelt ein. Wer das Debütwerk gelesen hat, trifft einige Charaktere wieder.

Buchcover: Patrick Salmen – Tabakblätter und Fallschirmspringer
Patrick Salmen – Tabakblätter und Fallschirmspringer

Salmen greift scheinbare Banalitäten und zufällige Fügungen auf, die sich zu kleinen Geschichten mit großen Botschaften entwickeln. Verklärte Kindheitserlebnisse, der Geruch von Tabak, blassbunte Farben, verquere Weltanschauungen älterer Damen und Herren und jede Menge grüne Gießkannen finden Platz auf den mit Papierblütenstaub beschriebenen Blättern.

Wie Sequenzen in einem Episodenfilm flimmern Impressionen und Konflikte auf und versiegen auf den folgenden Seiten. Weder Happy-End noch dramatisches Finale pointieren die Geschichten. Vielmehr lädt der Autor dazu ein, in die Handlungen einzutauchen und sie in der eigenen Phantasie fortzusetzen. Der ab und zu auftauchende Erzähler fungiert lediglich als unbeteiligter Kommentator. Die Wertung bleibt dem Leser überlassen. Jeder hat die Möglichkeit seine ganz eigene Botschaft in den Worten zu lesen.

In "Eine Ahnung von Blau“ reflektiert er beispielsweise das flüchtige Großstadt(aneinandervorbei)leben und die Gemeinsamkeiten, die uns irgendwann abhanden kommen: „Manchmal fehlt einem der gewisse Blick, weil scheinbar so etwas wie eine Markise das Blickfeld versperrt.“ Das Verlieren und das Vergessen spielen immer wieder eine große Rolle in den Geschichten – Melancholie und Einsamkeit schwingen oft im richtigen Takt mit: „...weil wir Menschen doch manchmal nicht mehr sind als Tonträger, die darauf warten, dass man ihnen ihren Klang entlockt, dass da jemand ist, der seinen Tonarm behutsam auf unsere Schultern legt und uns in diesem Moment zu Musik erhebt – der seine Nadel auf unsere Haut legt und uns zu ergründen versucht.“

Am Ende macht Salmen aber immer die unauffällig wunderbaren Dinge des Alltags sicht- und spürbar. In jeder Geschichte stecken scheinbar persönliche Erinnerungen und Lebenswahrheiten, die ein weiser Pfeife rauchender Opa im Schaukelstuhl nicht besser auf den Punkt hätte bringen können:

„Wir träumen von entfernten wunderbaren Welten, von gestern und morgen, und merken nicht, dass wir längst am schönsten Ort der Welt sind. Genau zum richtigen Zeitpunkt, im richtigen Takt.“

Zeitlos und intelligent bringt Salmen wertvollen Stoff zu Papier. „Tabakblätter und Fallschirmspringer“ hält für den Kenner seiner Texte zwar kaum Überraschungen bereit - bis auf den Verzicht auf einen Lyrikteil. Dennoch: Salmen hat es geschafft einen Stil zu entwickeln, der von plattem Spoken-Word-Entertainment und von Selbstfindungs-Blabla weit entfernt ist. Mit diesem Buch legt man sich am besten in eine Hängematte zwischen zwei stolze Eichen oder auf das Flachdach zwischen den hochmütigen Schornsteinen einer belebten Großstadt. So kann man eintauchen in die fabelhafte Welt des Patrick Salmen.

Käuflich erwerben kann man das Buch zum Beispiel beim Lektora Verlag für 9,90 Euro.

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