Meine Top7 – Die besten Slamtexte 2008

Von Lars Beißert , 0 Kommentare, Donnerstag, 6. November 2008

Wie eine Herde frierender Schafe im Winter, drängte sich der Großteil der Berliner Slams Anfang Oktober terminlich dicht zusammen. Perfektioniert wurde dieser koordinatorische Overkill durch die Halbfinal- und Finalveranstaltungen des Jugend Poetry Slam Festivals "Dicht.it", die vom 02.10. bis zum 04.10. ebenfalls in Berlin stattfanden.

In dem Bestreben möglichst nichts zu verpassen, feilte ich im Vorfeld emsig an meinem ganz persönlichen, ambitionierten Zeitplan. Pünktlich zum 1. Oktober machte mir dann aber eine hartnäckige Angina einen Strich durch die Rechnung und ließ alle geplanten Slamtermine unbesucht vorüberziehen.

Mit der festen Absicht, die lange Durststrecke bis zum Kreuzberg Slam im November doch irgendwie „slambezogen“ zu nutzen, entschied ich mich in der letzten Woche, meine ganz persönlichen Favoriten unter den Poeten zu küren. Kriterium dabei sollte einerseits sein, dass ich die Darbietungen der Texte live erlebt hatte, außerdem sollten die Texte bei mir im besonderen Maße einen positiven Eindruck hinterlassen haben.

Et voilà: Herausgekommen ist die folgende Reihenfolge – meine aktuelle Top7 der besten Slamtexte.

1. „An einen Freund“ von Felix Römer

Die Abrechnung mit einem Freund, präzise auf den Punkt gebracht. Aufgrund der guten Nachvollziehbarkeit des Texts und der sehr charismatischen Bühnenpräsenz von Herrn Römer meine momentane Nummer 1.

2. „Kochen bei Kants“ von Philipp Scharrenberg

Als ich Scharri mit diesem Text im Berliner Club Rosis sah, war ich schlichtweg platt. Eine kleine Geschichte über bekannte Philosophen verschiedener Epochen, grandios witzig und irgendwie lehrreich zusammengemixt - ein Genuss! Selbst nach der 10. Wiederholung noch absolut sehenswert.

3. „Vom Verb, das ein Nomen sein wollte“ von Philipp Scharrenberg

Fast noch besser als „Kochen bei Kants“. Unglaublich was der Kerl in seinen Geschichten an Witz und Wissen unterbringt. Prädikat „Pädagogisch wertvoll“!

4. „Glotz nicht so romantisch!“ von Peh
Der für mich bisher beste Live dargebotene Text von Peh, die mit stets eindringlichen Performances ihrer zumeist etwas melancholischen Texte beeindruckt. Der Text entstand anlässlich des diesjährigen Brecht Slams im Rahmen des abc Festivals in Augsburg und verhalf Frau Peh zum Sieg.

5. „Ein Kanake sieht rot“ von Sulaiman Masomi

Ein schonungslos satirischer Text über wechselseitige rassistische Vorurteile in Deutschland – gelungen, witzig und empfehlenswert. Sulaiman Masomi gewann mit diesem Text im März den Berliner Bastardslam.

6. „Game Over – Babylon in Trümmern“ von Marc-Uwe Kling

Die Ausnahme von der Top7 Regel: Von Herrn Kling habe ich schon einige Darbietungen live gesehen, der hier genannte Text war aber nicht dabei. Neben „Raus, aber wohin“ mein bisheriges Lieblingsstück von ihm. Den Text performte Marc-Uwe im Rahmen des Projekts „Babelslam“ des Pergamonmuseums in Berlin.

7. „BAM BAM, DIE Motherfucker!“ von Tilman Birr
Nach „Antrag auf ständige Einreise“ und „Die Inspektoren in meiner Wohnung“ ein weiterer guter, sehr unterhaltsamer Text. Das konstant gute Niveau seiner Texte hat mich veranlasst, Tilman zu meinen Favoriten hinzuzufügen und aus der sich ursprünglich abzeichnenden Top6 eine Top7 zu machen.

Lars Beißert
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