Mein erstes Mal – Ein Rückblick

Von Sergej A. , 0 Kommentare
Dienstag, 17. November 2009
Publikum beim Kreuzberg Slam im Lido
Foto: Hendrik Schneller

iele Menschen freuen sich auf den Beginn eines Monats – der Leser unterliegt jetzt der Verpflichtung selbst einen Grund dafür zu finden. Doch für die meisten Besucher von Slammin' Poetry ist der erste Dienstag im Monat für den Kreuzberg Slam im Lido reserviert! Als saftiges Frischfleisch in der Szene, habe ich mir so ganz nebenbei nach dem 03.11. auch schon mal ein Kreuz für den 01.12. in den Wendy-Kalender gemacht.

Es war mein erster Poetry Slam, ich gestehe. Aufmerksam wurde ich durch diverse Wort-Auftritte bei der „Fritz Nacht der Talente“, bei der Torsten Sträter sich, ganz nebenbei erwähnt, in mehr Applaus baden konnte als die Musiker an jenem Abend. Das ist beträchtlich, da die meisten Zuschauer doch spürbar aufgrund der Musik kamen. Um so überraschter war ich, als das Lido kurz vor Beginn der Veranstaltung schon so voll war, dass es sich einige Gäste gar auf dem Boden bequem machen mussten. Trotz der Menge an Menschenmasse wirkte alles irgendwie familiär und gemütlich auf mich.

Die Zuschauer wurden von Kolja Reichert und Marc-Uwe Kling durch die Veranstaltung geführt und zwischendurch, auch musikalisch, unterhalten. So machte Kolja an jenem Abend außer Konkurrenz den Anfang mit einer Geschichte über einen Autounfall – bei dem er zufällig seinen verschwundenen Vater wiedertraf.

Dann wurde es auch schon Zeit für die eigentlichen Kandidaten des Abends. In drei Runden à vier Teilnehmer durften Texte für fünf Minuten vorgetragen werden. In der ersten Runde begann Iris mit einem Text über „witzige Texte“ auf Poetry Slams und wie gerne sie mit einem ernsten Text gewinnen würde. Gauner stellte in seinem Rap-Text „Ich bin ein Kämpfer, wie die Fliege am Fenster“ fest, dass der Antrieb gegen die Faulheit schwer zu finden ist – immerhin braucht man schon “Schwung um sich selbst in den Arsch zu treten“. Wolf´s Thesen über Männer und Frauen unterlagen jedoch beim Publikum dem Text des Gewinners der ersten Runde, Malte. Dieser übermannte die Zuschauer in „Sprichwörtlicher Hass“ mit einer Geschichte, erzählt in Sprichwörtern und Redewendungen.

Die zweite Runde wurde eröffnet von Tilman Birr und seiner Liebeserklärung an den Dialekt einer Dame aus Thüringen. Es folgten Gedanken der achtzehnjährigen Tien zu einer besseren Welt, sowie Sträters Weg zum Schreiben durch die Drogen und Bier bewachende Schakale auf dem Balkon. Den Abschluss dieser Runde machte Olaf durch „Mit Louis XIV. wäre das nicht passiert“. Da beim Kreuzberg Slam Absolutismus aber draußen bleibt und das Volk noch eine Stimme und Hände zum Geräusche machen hat, wählten die Zuschauer Tilman und Sträter in das Finale.

Marc-Uwe Kling zeigte außer Konkurrenz, und daher ausgestattet mit einer Gitarre, dass im Lido die Musik niemals zu kurz kommen wird und führte das Publikum mit den Zeilen „Pessimismus ist nur ein Mangel an Munition“ in die nächste Runde.

Daniel Hoth eröffnete die dritte Runde mit „Der Richter und der Gerichtete“, gefolgt von einem Kontrast: Mike und einer Geschichte voller Trunkenheit, Schmerzen, einem Fotos machenden Freund und Schmerzen. Anschließend kam die schätzungsweise vierzehnjährige Cora. Ich war als Neuling sehr verwundert und skeptisch, wurde von Cora schließlich jedoch eines besseren belehrt, durch u.a. „Der Falke fliegt allein“. Den Abschluss, im doppelten Sinne, machte Nino mit „Gut tust du mir nicht“ und rechnete mit einer vergangenen Liebschaft ab. Das Publikum war mitgenommen von Mike – dem Indianer ohne Schmerz – und klatschte ihn ins Finale.

Verdammt, es gibt sogar einen Raucherbreich drinnen.

Das Finale wurde von Sträter und „Warum ich auf Poetry Slams so schlecht vorbereitet bin“ begonnen. Malte gab darauf Volksliedern die Schuld an seiner Jungfräulichkeit – Nachfragen bezüglich der Aktualität dieses Zustandes bitte nicht an mich – , Tilman brauchte uns seinen schlecht gelaunten Nachbarn in einer verbalen Ortsreise durch Deutschland näher und Mike gab uns mit „Personenkontrolle“ das Motto „Erst denken, dann sprechen“ mit auf den Weg.
Am Ende wurde es ein Kopf an Kopf Rennen zwischen Tilman und Sträter.

In einer letzten Abstimmung nach Lautstärke, durfte das Publikum seinen Favoriten in dem Duell auf den ersten Platz klatschen. Den Sieg und somit das Megaphon holte sich letzten Endes Torsten Sträter – keine „Verschwörung die bis in die höchste Regierungsebene reicht“, sondern der wohl getroffene Nerv des Publikums.

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