Lars Ruppel – Larubel-Trilogie

Von Arno Wilhelm , 0 Kommentare
Sonntag, 29. August 2010
Bildmontage aus der Larubel-Trilogie – Schweinchen, Brille, Limo
Schweinchen, Brille, Limo - Die "Larubel-Trilogie"

Lars Ruppel hat sich in Buchform verewigt – und das gleich in dreifacher Ausführung. In seiner „Larubel-Trilogie“ geben sich Gedichte und Prosa, ernste und lustige Texte ein Stelldichein. Arno Wilhelm hat sich in die Bücher eingelesen und berichtet in diesem Artikel, warum sich das gelohnt hat.

58 Texte. 3 Bücher. 1 Trilogie. Gefühlte 5000 Auftritte. Lars Ruppel! Wie, ihr kennt Lars Ruppel nicht? Den Fels in der Brandung der Poetry Slam – Szene der letzten paar Jahre? Den Brot-Fanatiker? Den Poeten aus Marburg? Gut, ich muss wohl ganz von vorne anfangen. Richtig, Lars Ruppel lebt in Marburg, zumindest offiziell. Eigentlich ist er quasi permanent auf Tour und einer der wenigen, die sich hauptberuflich dem Poetry Slam hingeben. 1985 in Gambach geboren, ist er ausgezogen, die weite Welt zu erkunden. Inzwischen haben ihn seine Vorträge bis in die USA gebracht. In den Jahren 2009 und 2010 hat er außerdem viele seiner Texte in Buchform veröffentlicht. Darum soll es hier gehen. Im handlichen A6 – Format kommen diese Bücher daher, drei an der Zahl. Ideal für die Hosentasche des Slammers ebenso wie für den Gedicht- und/oder Slambegeisterten. Aber der Reihe nach:

Teil 1 – Schweinchen

Im Vorwort des ersten Teils erzählt Lars von dem Haus in Marburg, in dem er in einer 9er-WG lebt. Ein Bericht darüber, wie er die Gartenarbeit und den Garten am Haus kennen und schätzen gelernt hat, mutet als Vorwort eines Gedichtbands komisch an, aber hier geht es um mehr: Er berichtet auch davon, wie wichtig ihm früher absolute Ungebundenheit war und wie sich das in den letzten Jahren verändert hat. Außerdem erklärt das Vorwort den Buchtitel - inwiefern verrate ich nicht.

Buchcover: Lars Ruppel – Larubel-Trilogie
Lars Ruppel – Larubel-Trilogie

Der erste Text im Buch ist ein Klassiker. Wer schon was von Lars Ruppel gehört hat, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits über sein Liebesgedicht ans Brot gestolpert, das auf den Namen „Bread Pitt“ hört. Der Text vermittelt schon viel von Lars Stil: Abwechslungen zwischen fließendem Text und Gedichtform, Wortspielereien vermischt mit ungewöhnlichen oder frei erfundenen Worten und das alles garniert mit guten Ideen für die Texte. Oftmals sind die Texte vollkommen fiktiv, handeln von Cowboys in der Zukunft oder darüber, dass Unzulänglichkeiten im Bett zum Tod führen können. Der größte Teil des Buchs ist allerdings in unserer Welt beheimatet, mit einem leichten Hang zum Absurden hin und wieder. Der Briefwechsel mit seiner Mitbewohnerin Julia ist ein gutes Beispiel dafür: Gefrotzel und Beleidigungen, die dann bis hin zur gegenseitigen Exmatrikulation und einem Krankenhausaufenthalt führen. In jedem Text erzählt Lars Geschichten, und er hat ein gutes Gefühl für das richtige Tempo. Im einzigen politisch angehauchten Text der Bücher, „Das Unwesen“, erzählt er von Roland Koch. Zitat: „…Mit nur zwei Freuden auf der Welt / Andren Böses tun und Geld“. Ingesamt enthält dieses erste Buch im Verhältnis zu den anderen beiden viele Texte, die der Youtube-nutzende Slamfan bereits kennen könnte. Es wird abgerundet von „Fuck You“, einem Bericht darüber, dass Lars bereits seit sieben Jahren Poetry Slams besucht und wie es ihm dabei ergangen ist. Und darüber, dass er seinen Weg als Slammer weitergehen wird.

Teil 2 – Brille

„Lars und das Reisen“ heißt das zweite Vorwort. Es geht um Tipps, welche Gegenstände unterwegs nützlich sein können, an welchem Punkt einer Reise man sein Bier trinken sollte, wie man anhand der Reisetage berechnet wie viele Hosen und Pullover man einpacken muss  und warum ein Flachmann wichtig ist. Die Verbindung zu den Poetry Slams wird am Schluss hergestellt. Sie sind ja oft genug der Grund für die Reisen.

Weiter geht’s mit den Gedichten. In „Phoetry“ werden Fotografieren und Dichten einander gegenüber gestellt; in „Dam“ breitet Lars Zukunftsvisionen über die Zeit nach der Existenz der Poetry Slams aus und in den vier Gedichten „Atembar“/“Begehbar“/“Brennbar“/“Trinkbar“ beschäftigt er sich lyrisch mit den vier Elementen. Überhaupt geht es im zweiten Band deutlich lyrischer zu; die Gedichte überwiegen deutlich die Prosatexte. In „Für Gerlinde“ geht es um Ängste: Die Angst sich zu verlieren, die Angst sich zu finden. Von diesem Gedicht existieren zwei Versionen, eine von Felix Römer und eine von Lars Ruppel. Warum das so ist, kann ich euch auch nicht erklären; ich weiß es leider nicht. In jedem Fall ist es ein grandioses Gedicht. Ein sehr starkes Thema in diesem Band ist die Liebe, in „thcidegsebeiL“ möglichst kurz und knapp, dafür in „Der Traum der Raupe“ in Form einer weitschweifigen Fabel. „Heimatlied“ und „Fetzenmerkzettel“ sind sehr persönliche Teile des Buches. In ersterem geht es um das immer wiederkehrende Heimkommen und Abreisen in Lars Leben und in letzterem um eine sehr kryptische Aufzählung verschiedener Situationen des selbigen. Das Buch endet mit einem weiteren, etwas ungewöhnlichen Liebesgedicht, das den schönen Titel „Die Gegenwart der Lydi A.“ trägt. Versucht, es am besten selbst zu verstehen.

Teil 3 – Limo

Das dritte Vorwort ist erneut eine Art Selbstreflektion über die Veränderungen, die die Slamszene in den vergangenen Jahren mitgemacht hat, über die Veränderungen die Lars selbst in den vergangenen Jahren erfahren hat und wie viel schwerer es ist, wenn das Hobby zum Beruf wird. Ich fand es sehr interessant, seine Sicht auf diese Dinge zu lesen, da man ja wenig Einblick in das alltägliche Leben eines Vollzeitslammers hat.

„Der Herbst spricht“ eröffnet den finalen Band. Und der Herbst ist schlecht gelaunt: Er lästert lyrisch über die Jahreszeiten. Das Ganze wirkt wie Spott über die klassischen Jahreszeitengedichte der klassischen Literatur. In den folgenden Texten sind sehr viele Reisenotizen enthalten, wie man schon an Namen wie „Kassel Wilhelmshöhe“ erkennen kann. „Erfolg als Slampoet“ ist eine Art Reminiszenz an die Workshops, die Lars gibt, mit einer Anleitung, wie jeder gute und erfolgreiche Slamtexte schreiben kann, wenn auch natürlich ad absurdum geführt – man sollte ihn da besser nicht zu sehr beim Wort nehmen. In diesem Buch nehmen die Fließtexte wieder zu, die ungewöhnlichen Texte ebenfalls. Zu „Penisbesprechung“ und „Viva la Penetration“ muss man glaube ich - abgesehen von den Titeln - kein weiteres Wort verlieren, das sollte jeder selbst ergründen. Viel Fiktion, Anhäufungen von Absurdem und Abstraktem ziehen sich durch das Buch. „Das allzu traurige Trallala von Patrick dem Clown“ beschließt tatsächlich sehr traurig die Larubel-Trilogie.

Fazit: Wer den Stil des Herrn Ruppel mag, sollte seiner Bibliothek diese im Lektora-Verlag erschienenen Gedichtbände unbedingt einverleiben. Sehr persönlich, tiefgründig und unterhaltsam berichtet Lars zum einen viel aus seinem Leben, zum anderen sind die Geschichten, die er sich ausdenkt, ebenso interessant. Die Bücher leben von der Variation und der Vielfalt. Gute Unterhaltung – auch für unterwegs.

Die "Larubel-Trilogie" ist im Lektora Verlag erschienen und kann über die Verlagswebsite für 15 Euro bestellt werden.

Arno Wilhelm

Ich schreibe gerne alle möglichen Dinge. Seien es eine Menge Rezensionen hier auf Slammin' Poetry in den letzten Jahren, Gedichte für meine Lesebühne 'Dichtungsring' im Laika in Neukölln oder auch Geschichten und Romane. Mein zweiter Roman 'Was man so alles tut kurz vor dem Weltuntergang' erschien im Mai 2019 in der edition tingeltangel.

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