Der kurioseste Slam Berlins – Poetry Schlemm am 11. September

Von Sarah Bosetti , 0 Kommentare
Montag, 11. Oktober 2010
Bild vom Poetry Schlemm
Der Poetry Schlemm
Foto: Steffen Sklebitz

Berlin ist zweifellos ein beliebtes Poetry Slam-Pflaster. Ein gutes Dutzend verschiedenster Slams kann man hier monatlich besuchen. Doch am 11.09. fand der wohl ausgefallenste Berliner Slam dieses Jahres statt – Der Poetry Schlemm auf dem Dach einer Currywurstbude. Eine Rückschau auf einen Abend des Kräftemessens zwischen Poesie und Fastfood.

Unter ihr brutzelt es. Das an sich ist schon ungewöhnlich. Noch ungewöhnlicher ist jedoch, dass sie seelenruhig weiterspricht, noch dazu in ein Mikrofon. Jacinta Nandi steht auf dem Dach des Curry Fritzen und liest einer etwa hundertköpfigen Schar wurstkauender Zuhörer eine Geschichte über Scheidenpilz vor. Dabei muss sie, wie auch die anderen acht Teilnehmer des Poetry Schlemms, gegen ihre eigene Höhenangst und gegen einen Klangteppich aus Straßen- und U-Bahnlärm anlesen. Die Bühne ist nämlich nicht nur ungewöhnlich hoch, sie liegt auch direkt an der Warschauer Straße. Oben Sterne, unten Wurst, ringsum Autos und irgendwo dazwischen viele Worte, wie man sie auf Poetry Slams nun einmal findet.

Was man heute abend nicht findet, ist Stille. Das Publikum scheint sich daran nicht zu stören. Am Ende des Textes bricht es in Jubel aus und applaudiert Jacintas zitternde Knie von der Bühne und die Knie des nächsten Poeten auf selbige. Und doch kann sich der Poetry Schlemm nicht ganz der Open Air-Veranstaltungen eigenen Flüchtigkeit erwehren. Die Aufmerksamkeitsspanne des Publikums ist niedriger als bei anderen Slams und die Konzentration der Zuhörer wird immer wieder gestört durch lärmendes Durchlaufpublikum. Leise Lyrik hat es also schwer an diesem Abend. Ruhige Texte wirken nun einmal am besten, wenn es ruhig ist. Das Rauschen der Straße verbittet sich jeglichen Moment der Stille, und wenn die Sirene eines Krankenwagens vorüberjodelt, muss auch schon mal ein Text unterbrochen werden.

„Der Abend sollte nicht als gewöhnlicher Slam, sondern eher als Werbeaktion für Poetry Slam als solchen betrachtet werden“, sagt Tom Schlansky, der den Poetry Schlemm zusammen mit Petra Grunwald organisiert hat und zudem moderiert. Als erfolgreiche Werbeaktion, wie es scheint. Der Menschenauflauf um den Curry Fritzen wird im Laufe des Abends immer größer, und nicht selten bleiben auch auf der anderen Straßenseite Passanten stehen, um zuzuhören. Am Ende des Abends steigt Jacinta Nandi als verdiente Gewinnerin von der Bude, glücklich, weil sie wieder festen Boden unter den Füßen hat. In der Hand hält sie den Preis, einen Gutschein für fünf Currywurstmenüs. Darüber ist sie nicht ganz so glücklich, denn eigentlich mag sie gar keine Currywurst. Rundum zufrieden ist hingegen der Betreiber des Curry Fritzen. Kein Wunder, denn es lässt sich wohl nicht leugnen, dass der Abend auch für ihn eine gelungene Werbeaktion war.

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