Julius Fischer – Ich will wie meine Katze riechen

Von Arno Wilhelm , 0 Kommentare, Sonntag, 17. Juli 2011

Julius Fischer hat eine Sammlung seiner besten Slam- und Lesebühnentexte herausgebracht. Das Buch trägt den Titel „Ich will wie meine Katze riechen“ und ist prallgefüllt mit Gedanken zu Leben, Liebe und Moderne. Arno Wilhelm hat für euch mal reingeschnuppert.

Buchcover: Julius Fischer – Ich will wie meine Katze riechen
Julius Fischer – Ich will wie meine Katze riechen

Julius Fischer ist häufiger Gast auf zahlreichen Slambühnen quer durch die Republik. Er ist auch Mitglied von drei Lesebühnen, musiziert zusammen mit Christian Meyer als Fuck Hornisschen Orchestra und slammt mit André Hermann im Team Totale Zerstörung. Julius macht also ziemlich viel und wird damit auch immer erfolgreicher. So belegte er im letzten Jahr den zweiten Platz der deutschsprachigen Meisterschaften im Teamwettbewerb und wurde kürzlich mit den „Hornisschen“ für den Prix Pantheon, den größten deutschen Preis für Comedy und Kleinkunst, nominiert.  Da fragt man sich doch: Wann findet Julius eigentlich noch Zeit zum Schlafen? Als wären all die Dinge noch nicht genug, hat Julius nun auch noch ein Buch seiner besten Slam- und Bühnentexte namens „Ich will wie meine Katze riechen“ herausgebracht.

Wer Julius schon einmal live erlebt hat, der weiß, dass er bei seinen Auftritten immer beeindruckend authentisch wirkt. Er steht auf der Bühne und amüsiert sich selbst darüber, was er denn da geschrieben oder gerade gesagt hat. Diese Art von Reflexion, über das eigene Schreiben macht sich ebenso wie sein Studium der Literaturwissenschaften in vielen seiner Texte bemerkbar, auch wenn sie nur selten tatsächlich das Thema der Texte sind. Julius hat einen sehr angenehmen Schreibstil, bei dem das Wort feinsinnig passend scheint. „Ich laufe die Straße entlang wie Ödipus, nachdem er um den Mord am Vater, um die Schändung der Mutter wusste, ich laufe die Straße entlang wie Brutus, mit dem blutbefleckten Messer in der Hand.“ So beginnt ein Text über das Laufen. Solche alltäglichen Themen finden sich viel in diesem Buch, Alltag der dann philosophisch betrachtet und auseinander genommen wird. Es geht um das Laufen, um langweilige Partys, darum wie es ist, nicht bei Facebook zu sein, um die Menschen im 21.Jahrhundert und deren Eigenarten und häufig auch um Männer und Frauen und die Probleme, die zwischen ihnen so entstehen können. Dabei ist Julius auch mal ernst aber noch öfter unglaublich lustig. Die Betrachtungen und Geschichten enden häufig im Absurden und in vollkommen unerwarteten Vergleichen oder Erklärungen, bei denen es einfach Spaß macht den oft sprunghaften und originellenGedankengängen des Autors zu folgen. Vor allem die Texte, die mit „Aspekte der Tiefe“ bezeichnet sind, sind sehr tiefsinnig und gehören zu den besten Erzählungen im Buch. Zwischendrin wechselt das Format der Texte zwischen Kurzgeschichten, Gedichten und einer Art Geschichten im Mini-Format, die immer nur einige wenige Zeilen lang sind.

Julius macht sich im wahrsten Sinne des Wortes über Gott und die Welt Gedanken, wobei die kleinen Erzählungen, manche realistisch und manche irgendwo zwischen absurdem und unglaublich blühender Fantasie, immer wieder zu einem interessanten Schluss finden. Dadurch gestaltet sich das Lesen sehr angenehm und kurzweilig. Leser, die nicht mit den deutschsprachigen Slampoeten vertraut sind, werden hin und wieder über unbekannte Namen und Zusammenhänge stolpern. Da diese aber nie notwendig sind, um den Texten zu folgen, mindert das den Spaß am Lesen nicht.

Die CD ist mit 60 Minuten Laufzeit gut gefüllt und enthält ein paar von Julius gesungenen Liedern und vorgelesenen Texten. Manche der Texte sind auch im Buch nachzulesen, andere sind nur auf der CD zu finden. Der letzte Text ist „Girls Girls Girls“ von und mit Team Totale Zerstörung. Die CD ergänzt das Buch gut und macht diese Sammlung von Slamtexten noch interessanter und facettenreicher. Der Vergleich zwischen den Aufnahmen und dem, wie man selbst die oft langen, verschachtelten Sätze von Julius liest und die Texte betont, ist immer wieder amüsant.

Natürlich bleibt dem Leser der Rezension nun noch die Frage, warum Julius gerne wie seine Katze riechen möchte. Aber was das angeht, soll hier nicht vorgegriffen werden, nur so viel dazu: Nach Julius‘ Beschreibung muss es eine außerordentlich wohlriechende Katze sein.

Das Buch ist samt CD bei Voland & Quist erschienen und kann dort für 13,90 Euro käuflich erworben werden. Wann ihr in nächster Zeit die Chance habt Julius Fischer live und in Farbe zu sehen, findet ihr unter www.juliusfischer.de.

Arno Wilhelm

Ich schreibe gerne alle möglichen Dinge. Seien es eine Menge Rezensionen hier auf Slammin' Poetry in den letzten Jahren, Gedichte für meine Lesebühne 'Dichtungsring' im Laika in Neukölln oder auch Geschichten und Romane. Mein zweiter Roman 'Was man so alles tut kurz vor dem Weltuntergang' erschien im Mai 2019 in der edition tingeltangel.

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