Irgendwas mit „trä“ – ein Kreuzberg Slam im Kato

Von Lars Beißert , 0 Kommentare, Freitag, 27. März 2009

Am Abend des 03. Februar machte ich mich auf den Weg zum Kreuzberg Slam und hatte erstmalig die jüngst beschaffte Kamera im Gepäck. Als ich das Kato eine gute Stunde vor Beginn des Slams erreichte, hatte sich bereits eine beachtliche Schlange vor dem noch nicht geöffneten Club gebildet.

Bild von Thorsten Sträter auf dem Kreuzbergslam
Thorsten Sträter auf dem Kreuzbergslam

Nachdem die Tür geöffnet war, sprach ich die Veranstalter an und erhielt deren Einverständnis für die angestrebten Filmaufnahmen. Ich suchte mir also einen geeigneten Platz nahe der Bühne, baute die Kamera auf und wartete auf den Beginn der Veranstaltung, während sich der Gastraum kontinuierlich füllte. Später erfuhr ich, dass mit den knapp 300 eingelassenen Gästen die Kapazitäten des Kato erreicht waren und weitere 50 bis 100 Interessierte abgewiesen werden mussten.

Als die Moderatoren Kolja Reichert und Sebastian Lehmann gegen 21 Uhr den Slam eröffnet und die Teilnehmerliste verlesen hatten, war ich mir nicht mehr sicher, ob ich die richtige Gelegenheit für meine ersten Videoaufnahmen gewählt hatte. Bis auf ein oder zwei Namen waren mir sämtliche Slammer unbekannt. Mit relativ gemäßigten Erwartungen harrte ich also der ersten Auftritte.

Bereits die erste Wettbewerberin bestätigte meine Befürchtung, als sie gut 6 Minuten wie aus dem Nähkästchen plauderte und dabei professionell jede Andeutung einer Pointe oder eines tieferen Sinns umschiffte. Schließlich machten die Moderatoren ihrem Auftritt mit Hinweis auf das Zeitlimit ein Ende. Den ersten unterhaltsamen Beitrag des Abends bot der dritte Teilnehmer Michael Jakob mit seinem Text „Irgendwo ist immer ein Haken“. Anschließend betrat ein Mann im schwarzen Zwirn, mit schwarzer Mütze und Dreitagebart die Bühne und trug „Ein Text über Poesie“ vor. Das Publikum quittierte diesen Auftritt mit Begeisterung und der entsprechende Applaus sicherte dem Poeten den Rundensieg. Da ich seinen Namen mehrmalig nicht richtig verstanden hatte, benannte ich den Herrn im schwarzen Dress zuerst „Spalter“, änderte dies aber im Laufe des Abends in „Später“ um. Erst in der Finalrunde konnte ich mich berichtigen, nachdem er sich im eigenen Text als „Sträter“ geoutet hatte.

Die zweite Runde eröffnete Georg, der sich dermaßen über seinen eigenen Text amüsierte, dass er nicht zwei aufeinander folgende Zeilen davon zusammenhängend vortragen konnte. Zwar war sein Text inhaltlich eher seicht, das Publikum war – gedankt sei's den Spiegelneuronen – dennoch sichtlich erheitert. Als nächste Teilnehmerin schlug Adriana mit ihrem Text sehr ruhige Töne an und gab so dem Publikum die Gelegenheit sich vom Vorredner zu erholen. Ihr folgte Michael Feindler auf die Bühne, der mit einer Zusammenstellung dreier Gedichte und einer ganz eigenen, ironischen Vortragsweise Akzente setzte. Als Nächster fragte Viktor Hoffmann „Woher kommen Sie?“ und machte damit Runde 2 komplett. In der anschließenden Abstimmung kürte das Publikum Michael Feindler vor Viktor Hoffmann zum Rundensieger.

In der dritten Runde stach besonders die sympathische Bea mit ihrer angenehmen Stimme und einem Text aus der Kategorie „Winterdepression“ hervor. Wie ihre beiden anderen Konkurrenten der dritten Runde musste aber auch sie sich Udo Tiffert geschlagen geben, der mit dem letzten seiner drei vorgetragenen Texte nachdenklich machte und so die Gunst des Publikums gewann.Das Finale eröffnete Sträter mit einer Huldigung an Michael Feindler, bevor er das Publikum mit seinem grandios witzigen Text „Warum Samstag mein Lieblingstag ist“ beglückte. Es folgte Udo Tiffert, der mit seinem Text „Nachts am Fenster“ beim Publikum nur mäßigen Anklang fand. Als dritter und letzter Finalist betrat Michael Feindler die Bühne und trug nochmals drei Texte vor. Besonders die provokante Anspielung gegenüber dem Publikum durch das Zusammenspiel des zweiten politikkritischen Gedichts mit dem letzten Text empfand ich als sehr bemerkenswert.

Trotz seines zuvor unternommen Versuchs Michael Feindler den Sieg zuzuschanzen, gewann Sträter in der Schlussabstimmung deutlich das Finale und wurde so zum Sieger des Kreuzberg Slam gekürt.

Lars Beißert

Im Januar 2008 erstmals auf das Thema Poetry Slam aufmerksam geworden, begann Lars im gleichen Jahr mit der Veröffentlichung einer unregelmäßig erscheinende Kolumne in einem Webmagazin, in der er die eigenen Slamerlebnisse verarbeitete. Ende 2008 reichte ihm dieser Rahmen nicht mehr aus und die Idee zu Slammin' Poetry war geboren. Wenn Lars nicht im Umfeld von Slammin' Poetry aktiv ist, arbeitet er freiberuflich im IT Sektor, quält seine Gitarre und liest gerne – vorzugsweise historische Romane und Fantasyliteratur.

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