André Herrmann – Klassenkampf

Von Arno Wilhelm , 0 Kommentare
Mittwoch, 17. Juni 2015
Bild von André Herrmann
André Herrmann
Copyright: Felix Förster

André Herrmanns erster Roman ist reich an Seiten und Klassentreffen. Der zweimalige deutschsprachige Meister im Poetry Slam mit dem Team Totale Zerstörung schreibt über das Herauswachsen aus der Provinz und die stete Rückkehr dorthin. Arno Wilhelm hat sich für euch mit dem gänzlich unmarxistischen „Klassenkampf“ beschäftigt.

André Herrmann ist unter anderem Poetry Slammer, Autor für „Comedy mit Karsten“ im MDR und seit Jahren aktiver Blogger. Der studierte Politikwissenschaftler hat mit „Klassenkampf“ seinen ersten Roman veröffentlicht. Dieser spielt in der Heimat des Protagonisten André in Sachsen-Anhalt und springt dabei in Episoden von Jahr zu Jahr, jeweils in die Zeit rund um das alljährliche Klassentreffen. Manche kehren dafür wie André in die Heimat zurück, andere haben sie nie verlassen. Er trifft alte Freunde und alte Bekannte und sieht deren Veränderungen. Irgendwo zwischen Bodenständigkeit, Kinderkriegen oder dem Versuch, nicht erwachsen zu werden, gehen alle ihren Weg. Auf diesen Wegen liegt viel Humor, mal subtil, mal in Richtung Slapstick. Wer „Klassenkampf“ liest, hat viel zu lachen.

Buchcover: André Herrmann – Klassenkampf
André Herrmann – Klassenkampf

Ein großes Thema des Romans sind Identitätsfragen und die Scheu davor, mit dem „richtigen“ Leben anfangen zu müssen. Um André herum werden die unterschiedlichsten überzeichneten Lebensentwürfe gewählt und der Protagonist hat seine liebe Not sich darin zurechtzufinden. Das knapp 380 Seiten starke Taschenbuch lässt gleichermaßen Raum für Spaß und Unterhaltung, wie auch dafür innezuhalten und über die großen Fragen des Lebens irgendwo zwischen Abitur und Berufseinstieg nachzudenken.

Ähnlichkeiten zwischen Protagonist und Autor sind dank gleichem Namen, gleichem Studiengang und auch sonst nicht von der Hand zu weisen und hinterlassen die Frage, wie viel oder wenig von dem was da so geschrieben steht, wohl auch so oder so ähnlich passiert ist. Das Ende des Buchs ist großartig, unerwartet und vermeidet unterhaltsam potentielle Belehrung oder große Schlussmoral. Was bleibt, ist ein sehr lesenswerter Roman, der lustige und nachdenkliche Seiten verbindet, und die Faszination, dass „Klassenkampf“ als Buchtitel nicht schon besetzt war.
Wer zum Lachen in den Keller geht, der muss diesen Roman über das Erwachsenwerden eben dort lesen. Zweifellos ist er jedem zu empfehlen.

„Klassenkampf“ ist bei Voland & Quist erschienen und kann für 19,90 direkt beim Verlag und bei Amazon erworben werden. Er ist auch als digitales Hörbuch zu haben, in Kürze erscheint auch eine MP3-CD mit eben diesem.

Arno Wilhelm

Ich schreibe gerne alle möglichen Dinge. Seien es eine Menge Rezensionen hier auf Slammin' Poetry in den letzten Jahren, Gedichte für meine Lesebühne 'Dichtungsring' im Laika in Neukölln oder auch Geschichten und Romane. Mein zweiter Roman 'Was man so alles tut kurz vor dem Weltuntergang' erschien im Mai 2019 in der edition tingeltangel.

Kommentare