Springe zum Inhalt

Von alten Hasen und jungem Gemüse

, Schlagworte: Bas Böttcher, Daniel Hoth, Frank Klötgen, Lino Ziegel, Poetry Slam im Prater, Sarah, Sebastian23

Es gibt Slams, deren Ergebnis schon festzustehen scheint, wenn man nur das Line-Up sieht – und dann gibt es Slams, auf denen man merkt, daß auch der Nachwuchs nicht zu unterschätzen ist. Der seit langer Zeit erste Slam im Prater am 29. Juni gehörte zur letzten Kategorie.

Die neue Veranstaltung von Wolf Hogekamp und Lino Ziegel, dem gut eingespielten Team des Bastardslams, war selbst für jemanden wie mich, der mit der Zeit erstens ein wenig slammüde wird und zweitens langsam jeden Text auswendig kennt, einer der schönsten Großraumslams seit langem. Trotz der Größe des Saals fühlte man sich wohl im Prater, und die Stimmung unter den knapp 200 Zuschauern war außergewöhnlich gut.

Mit Bas Böttcher, Julius Fischer, Julian Heun, Frank Kloetgen, Felix Römer und Sebastian23 war vom ersten Deutschlandmeister bis zum  stellvertretenden Weltmeister alles dabei, also stand zudem schon eimmal nicht fest, wer von den Großen denn gewinnen würde.

Runde Eins.

Ungewohnt und gerade deshalb erfrischend war die Tatsache, daß es keinen featured poet gab und der Abend stattdessen mit einem Poetryclip aus der Schmiede des Gastgebers Wolf eingeleitet wurde – zu Lino Ziegels furioser und wortgewaltiger Text „Schlachtzeug“.

Als erste Wettbewerberin fand sich im Anschluß daran Mona Jean Cedar aus Los Angeles auf die Bühne ein. Mona ist in der amerikanischen Slamszene eine der Wegbereiterinnen dafür, Slam auch für Gehörlose zum Erlebnis zu machen – dementsprechend begleitete sie auch an diesem Abend ihren Text mit American Sign Language. Die Tatsache, dass sie ein Kehlkopfmikro benutzen durfte, hat ihr sicher die Sache erleichtert, und es war interessant zu sehen, wie anders und direkter man die Performance von Künstlern wahrnimmt, wenn der Mikrofonständer fehlt.

Auf Mona folgte Kolja Reichert vom Kreuzbergslam, der einen routiniert humorigen Text über seine zufällige, aus einem Fahrradunfall resultierende Begegnung mit seinem entfremdeten Vater darbot. Hier war nichts überraschend, aber alles gute Handwerksarbeit.

Da mir bei der nächsten Poetin, Sarah Brockhausen, der frischgebackenen Ärztin und Moderatorin des DICHT.IT-Slams in Neukölln, die nötige Objektivität fehlt, mein Chefredakteur Lars aber gerne ihren Text „Vielleicht“ in den Artikel einbinden möchte, können wir ihn ja bei dieser Gelegenheit fragen, warum. Lars?

Lars: Sarahs Auftritte als Poetin gefallen mir gut, weil sie auf mich immer ehrlich und authentisch wirken. Für „Vielleicht“ gilt dies besonders. Der Text dreht sich um eine Frage, die auch ich mir – wie wahrscheinlich fast jeder – von Zeit zu Zeit stelle: „Bist du zufrieden mit deinem Leben, so wie es jetzt ist?“. Eine wichtige Frage. Am Ende ihres Textes präsentiert Sarah ihre ganz eigene Antwort. Für „Vielleicht“ hätte ich Sarah gern im Finale gesehen.

Die erste Runde wurde beendet von Bas Böttcher, und liebes Publikum, schon wieder schreibe ich über einen Slam, auf dem Bas aufgetreten ist, und jedes Mal denke ich – was soll ich bitte über den ersten deutschsprachigen Meister sagen? Emotional lassen mich seine Texte manchmal ein wenig kalt, aber die lyrische Qualität, die sich durch jedes seiner Gedichte zieht, ist und bleibt ein wahrer Genuss, insbesondere, wenn sie ironisch und in klassischer Form über die klassische Form herziehen. Und da anscheinend nicht nur ich mich leicht von dieser Sprachgewandtheit beeindrucken lasse, gewann Bas verdient die erste Runde.

Zweite Runde.

Die zweite Runde begann mit einem Ausflug in die surreale Welt Peter Janickis. Der Marburger, der in fast jedem seiner Texte die Zwänge des gesunden Menschenverstandes verläßt und der Absurdität Raum verschafft, versuchte diesmal, mit einem Zeppelin Raumentfeuchter nach Polen zu schmuggeln. Keine Fragen nach dem Grund, bitte! Wenn man Sätze wie „Hackfleisch ist nichts anderes als ein anspruchsvolles Puzzle“ geboten bekommt, sind Gründe nebensächlich.

Julian Heun – zu dem Zeitpunkt viertbester Poetryslammer der Welt –, und seine Freakizität gingen ein wenig unter in dieser Runde, die von zwei der größten komischen Talente der deutschen Slamszene fortgeführt wurde. Julius Fischer aus Leipzig, der gnadenlos überzog, ohne dass es jemand merkte, klärte endlich die Frage, an wen er mich erinnert (Gerard Depardieu). Sein Versuch, alles mit allem in Verbindung zu bringen, war ein wenig konfus und sehr weitschweifend, sorgte aber für herzliche Lacher im Publikum.

Allerdings für nicht annähernd so viele wie Sebastian23 und sein Text über die Welt, die durch eine rosarote Brille betrachtet viel schöner, aber sehr realitätsfern ist – Sebastian ist und bleibt ein geborener Comedian, dessen spontane Reaktionen auf das Publikum alleine schon hohen Unterhaltungswert haben. Sein verschüchtert-panisches „Mutter?“ auf ein leicht, ähem, hysterisches Lachen im Publikum ist mir auf jeden Fall in die Notizen und mein Gedächtnis gebrannt.

Und so gewann der Nationalchampion auch diese Runde – keine großen Überraschungen bis jetzt.

Bild von YonnaBild von Yonna

PraterSlamBlogText

Wenn ich nicht selbst da gewesen wäre, hätte ich hiermit den Slam sehr authentisch nacherleben können! Cooler Text, vom Verfasser lustig gefärbt und das eingebrachte Interview "Lars üder Sarah" ist auch ein gutes Stilmittel um den Leser bei der Stange zu halten Wink
Mehr davon!

Bild von GastBild von Gast

hippiescheiße

zu der hippiescheiße steh ich, fands auch super, das daniel
den laden rockte.....wolf

Bild von ralfingBild von ralfing

der herr hoth, det gibs ja gar nicht ...

Vor kurzem waren die Texte noch so staubtrocken und lahm, dass ich nie mehr als die ersten 4 Sätze aktiv wahrgenommen habe. Herr Hoth war der Spot für kurz mal abschalten, rumliegende Flyer zu studieren oder Bier holen. Aber jetze, na hola wat ne überraschung, selbst der um die Prateratmosphere beschnittene Videomitschnipsel hats echt in sich. Toller Text, toll präsentiert. Ich freu mich auf das nächste mal live.
Sehr schöne Zusammenfassung vom Abend und wie immer: verdammt, warum war ich nicht da. Ralf

Bild von GastBild von Gast

...

Mensch ralfing, sollte das ein Kompliment sein? Stell dir vor, ein Maedel sagt zu dir: "Mensch Ralf, sonst bist du echt schlecht im Bett, aber gestern hast du mich schon positiv ueberrascht." - wuerde dich das freuen? Smile Geh mal Komplimente machen ueben!

Ansonsten auch von mir: Toller Text Daniel und schoener Artikel, ich bekomme auf SlammingPoetry staendig Heimweh nach Berlin.

Bild von ralfingBild von ralfing

Hallo Unbekannte, aber wahrscheinlich Jannixx ....

Also mich würde das unheimlich freuen, das kann jetzt aber auch am geänderten Thema liegen Wink

Bild von Sascha DelitzscherBild von Sascha Delitzscher

Sehr schönes Review, und

Sehr schönes Review, und Glückwunsch an Daniel Smile

Kommentar hinzufügen 

Mit dem Absenden dieses Formulars, akzeptieren Sie die Datenschutzrichtlinie von Mollom.