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Slampoeten im Interview: Peh

Durchschnitt: 4.8 (4 Wertungen)

"Poetry Slam ohne Poesie – was ist das?"

Es gibt Interviewpartner, bei denen man all sein Können aufbringen muss, um ihnen mehr als ein Ja oder Nein zu entlocken. Und es gibt Menschen wie Peh, die einfach ganz wunderbar so reden, wie ihnen ihre Schnauze gewachsen ist. Ein Gespräch in der Sonne mit einer Poetin, die gleichzeitig zart und deutlich sein kann.

Peh, schön dass du da bist, du warst ganz oben auf meiner Wunschliste. Vorweg die Frage, die dir wahrscheinlich schon tausend Leute gestellt haben – warum der Künstlername?
Aus einem Internetforum. Ein Freund von mir hatte in irgendeinem Beitrag „*aula“ geschrieben, weil ich meine Mails immer schon nur mit „p“ unterschrieben habe. Als ich das gelesen habe, hat das irgendeinen Scheiß aus meiner Kindheit getriggert, so dass ich gesagt habe, „ich heiße p, ich buchstabiere dir das mal – P – E – H.“ Und dann hat mir eine Freundin irgendwann geschrieben, dass der Buchstabe PEH im Hebräischen für „der Mund“ und „das Wort“ steht – und das hat ja dann wunderbar gepasst. Manche Namen haben sich anscheinend einfach gefunden – manche Namen finden sich einfach.

Ich habe mich ein bisschen auf dieses Interview vorbereitet und in deiner Biographie gestöbert – Dir ist die Bühne ziemlich in die Wiege gelegt worden.
Meine Mutter war Zeit ihres Lebens Sängerin und Schauspielerin. Sie ist jetzt in einem politischen Kabarett in Frankfurt/Oder, und war irgendwann in den 90er Jahren zehn Jahre im Kartoon, wie ich finde, damals so ziemlich das beste politische Kabarett in Berlin. Mein Vater war Geiger. Musik – ja, es liegt im Blut, irgendwie. Mein Opa war auch Musiker, er hat das Orchester Leipzig geleitet.

Du hast selbst auch früh angefangen.
Ich habe sehr früh angefangen. Ich glaube, meinen ersten Auftritt hatte ich mit sechs, da habe ich gesungen. „I should be so lucky“ von Kylie Minogue. In ganz wunderbar glitzernden Stulpen. Und ich habe getanzt und gesteppt – also damals schon. Dann habe ich zehn Jahre Ballettschule gemacht, und in Amiland Kunstschule.

Wo warst du da?
Philadelphia. Wunderbare Stadt, ganz tolle Stadt. Leider war es zu früh, muss ich ehrlich sagen – ich war zu jung. Philadelphia hat einfach viel mehr zu geben, als man damals mitnehmen konnte, was sehr schade ist. Das war halt Ende der Neunziger, hätte ich damals schon all das gewusst, was ich heute mache, hätte ich es wahrscheinlich dort gemacht. Aber es ist gut, so wie es gekommen ist.

Du hast nach deiner Rückkehr viel auf Bühnen gemacht, aber keine Slams.
Als ich zurückgekommen bin, bin ich erstmal ins Abi gerutscht, und da war meine Bühnenzeit komplett vorbei. Eine Weile war ich eingeschüchtert von dieser ganze rechts vs. links Szene in Adlershof und ich musste mich komplett neu orientieren, in einem nur wenig musischen oder kreativen Umfeld musste ich komplett von vorn anfangen. Schreiben stand schon gar nicht auf dem Plan, aber dann habe ich meine Laterna Magica, meine damalige Deutschlehrerin gefunden, und die hat mich wieder zum Lesen und Schreiben animiert. Und da habe ich mit Texten angefangen, anfangs noch englische Texte, weil ich sehr stark von Amiland geprägt war und habe dann Musiker gefunden, mit denen ich eine Band zusammen aufgemacht habe. Wir sind ziemlich erfolgreich getourt – aber wie das halt so ist, fünf Männer und eine Frau kann manchmal sehr anstrengend sein.

Du bist dann zum Slam gekommen.
Ich habe damals ein Weblog geschrieben und wurde deswegen von der Insel [der Jugend in Berlin-Treptow, Anm.d.Red.] angefragt. Die hatten eine Abendveranstaltung mit Anne Clark, und sie haben mich gefragt, ob ich nicht das Vorprogramm gestalten möchte. In literarischer Form, denn die wussten, dass ich auch noch andere Sachen schreibe. Und da habe ich halt gelesen. Und das hat sehr gut gepasst, es war unglaublich. Als ich das Buch von ihr in der Hand hatte, dachte ich, wow, ganz viele Bilder, die sich decken. Es hat wirklich sehr viel Spaß gemacht, mit ihr zusammen was zu machen. Danach hat die Insel mich gefragt, ob ich nicht eine Lesebühne machen will. Aber einmal im Monat alleine ein komplett neues zweistündiges Programm zu machen, habe ich mir nicht zugetraut – würde ich mir auch heute nicht zutrauen. Also hatte ich über einen damaligen Bekannten Yaneq eingeladen, mitzumachen, und der hat mich mit Wolf Hogekamp und Gauner und Bas Böttcher bekannt gemacht. Wir haben uns sehr gut verstanden, und ich habe zum ersten Mal gesehen, was Poetry Slam ist, ich hatte noch nie was davon gehört und dachte, woah, krass, was machen die denn? Ich meine, Du kennst Bas und Wolf und Gauner, ich dachte einfach, okay, alles klar, werde ich nie können, aber – super! Und dann hatte mich Wolf, weil ich die Jungs auch immer zur Lesebühne eingeladen habe, eingeladen, zum Bastardslam zu kommen. Damals habe ich noch gesagt, nee, ich will bei Slam definitiv nicht mitmachen, wenn ich praktisch nur Tagebucheinträge habe, damals hatte ich noch keine Slamtexte, nur diese kryptischen Blogeinträge. Irgendwann hat sich ergeben, dass ich zufällig einen Text in lyrischer Form verfasst hatte, und den habe ich im Watergate bei einer Lesung vorgetragen. Und davon war Bas so beeindruckt, dass er gesagt hat, du musst zum Bastardslam kommen. Und dann war ich beim Slam, im Bastard, und habe den Zweiten gemacht, das war sehr interessant und sehr lustig. Seitdem haben die Jungs dann gefragt, kommst du vorbei, und ich habe gesagt, ja, wenn ich einen neuen Text habe, komme ich sehr gern. Und dann lief es so an.

Würdest du sagen, du hast bestimmte Vorbilder?
Dorothy Parker. Ganz groß. Ich liebe ihre lakonische Art, und ich liebe ihren – fast schon Zynismus, was die Liebe angeht. Es ist wunderbar. Ich finde auch sehr schade, dass es keine deutsche Übersetzung von ihr gibt.
   
Sie ist in Deutschland ja auch eher unbekannt.
Was sehr schade ist, denn sie ist großartig. Irgendwann, wenn man alt ist, kann man sich das als Großprojekt vornehmen – „so, jetzt mache ich mich an die Übersetzung von Dorothy Parker“. Ansonsten – Bachmann, Celan. Ja, das hat Felix auch gesagt, ich weiß. Und definitiv Wolf Wondratschek. Seine lyrischen Werke sind einfach so wunderbar – nüchtern, aber unheimlich schön.

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