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Slampoeten im Interview: Daniel Hoth

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Daniel Hoth ist 2009 eine der großen Überraschungen in der Berliner Slamszene gewesen. Der 25 Jahre alte Poet slammt erst seit etwas mehr als einem Jahr, hat aber innerhalb Berlins bereits eine beachtliche Zahl an Auftritten und Erfolgen für sich verzeichnen können. In seinen nahezu klassisch anmutenden Texten scheut Daniel auch vor persönlichen Themen nicht zurück, eher im Gegenteil: Er stellt sich ihnen, nimmt sie fast schon schmerzhaft ehrlich unter die Lupe und kleidet sie in hoffnungsvolle, melancholische Lyrik. Slammin' Poetry hat sich mit dem jungen, unkomplizierten Slammer getroffen.

Hallo und herzlich willkommen zur vierten Runde von „Slampoeten im Interview“. Daniel, wo kommst du her?

Ich komme aus Hohenschönhausen, da bin ich achtzehn Jahre aufgewachsen. Dann war ich kurzzeitig in Birkenwerder oben in Brandenburg, und danach in Friedrichshain, Kreuzberg, Wedding. Ich bin Berliner. Sozusagen einer der wenigen einheimischen Slammer.

Und was hast du außer Slam in deinem Leben gemacht?

Schule, Zivildienst – ich habe keine Ausbildung oder ein Studium, ich habe halt immer gearbeitet. Mich irgendwie durchs Leben gewuselt.

Schreibst du schon länger, als du slammst?

Ja. Ich habe angefangen, wie irgendwie jeder immer anfängt zu schreiben, so mit dreizehn, vierzehn. Es hat mich immer beschäftigt, wenn ich Zeit hatte.

Du bist noch nicht lange beim Slam. Wie bist du da rein geraten?

Rein geraten, hm. Ich habe, bevor ich geslammt habe, auch Theater gespielt, bei uns an der Schule und ein Jahr danach. Und hatte schon eine gewisse Affinität zur Bühne. Das hat mir wirklich Spaß gemacht. Vom Slam hat mir zuerst eine Freundin erzählt und ich habe es im Internet recherchiert, geguckt, wo was geht. Dann habe ich mir gesagt, ich stand schon mal auf der Bühne, ich habe schon mal einen Text geschrieben, also kann ich halt einfach mal mitmachen und sehen, was passiert.

Und wie waren die ersten Male?

Die ersten Male waren ganz furchtbar. Also, was heißt furchtbar. Ich habe wenig Applaus bekommen. Es war schon was anderes, vorne zu stehen, einen eigenen Text vorzutragen vor Leuten, die man nicht kennt. Sonst habe ich die halt mal Freunden vorgelesen. Es war sehr ernüchternd. Aber ich dachte mir, ich will es unbedingt auf die Reihe bekommen, ich habe schon gemerkt, dass es etwas ist, was mir viel geben kann. Dann habe ich probiert, ausprobiert, herumprobiert, experimentiert, wie ich meine Sprache mehr öffnen kann, so dass Leute mehr verstehen, und ich sie besser beherrschen kann. Dabei habe ich mich halt entwickelt. So dass es nicht mehr so schlimm – oder unbefriedigend war.

Erinnerst du dich noch an deinen allerersten Slam?

Das war der Kreuzberg Slam September 2008. Im Kato. Ich habe eine Kurzgeschichte vorgetragen. Es war total schlimm. Ich war unglaublich nervös, meine Beine haben gezittert, meine Stimme hat sehr gezittert, die Leute im Publikum haben sich geräuspert, und ich habe mich durch gequält. Aber ich hatte zwei, drei Sätze, die funktioniert haben. Es war krass. Ich bin auch ganz schnell gegangen und habe mich nicht getraut, den Leuten hinterher ins Gesicht zu gucken. Aber ich habe Blut geleckt.


Du hast Ende 2008 angefangen zu slammen und hast 2009 wirklich viel geslammt.

Ganz schön viel. Vielleicht ein bisschen zu viel. Es fühlt sich aber nicht zu viel an. Am Anfang waren es halt drei regelmäßig stattfindende Slams in Berlin, und damit halt nur drei Bühnen, auf die ich so gegangen bin, aber das wurde mit der Zeit immer mehr. Die Szene ist größer geworden. Und jetzt ist es nicht mehr nur Slams, sondern auch Lesebühnen – ich habe die Chance, mit meinen Sachen in einem anderen Rahmen aufzutreten. Ich nehme so gut wie alles mit, weil es mir viel bringt.

Was bedeutet dir Slam?

In der Zeit, in der ich angefangen habe, auf Slams zu gehen, mehr Leute kennen gelernt habe, hat mir das einfach durch eine relativ schwierige Zeit in meinem Leben geholfen. Das hört sich immer so hollywoodmäßig an, aber es hat mir ziemlich viel Kraft gegeben. Auch zu sehen, dass man besser wird in dem, was man macht. Besser im Sinne von verständlicher, besser darin, wie man sich auf der Bühne gibt. Die eigene Entwicklung ist schön. Mich auszuprobieren, zu lernen, Texte zu schreiben, und die Slamily machen für mich ganz schön viel aus, die Leute, die ich treffe.

Ist dir gewinnen wichtig?

Gewinnen ist mir nicht wichtig. Ich glaube, niemand kann abstreiten, dass es schön ist, einen Slam zu gewinnen. Das wäre Quatsch, Slam ist halt Slam, und man setzt sich gegenseitig, naja, nicht unter Druck, aber durch diese Scheinkonkurrenz ist man schon gefordert. Und es reizt die Leute, die öfter hingehen, die man immer wieder sieht, produktiv zu sein und gute Texte zu bringen. Ich glaube, das ist etwas Positives. Es gibt Slammer, denen es wichtiger ist zu gewinnen als anderen.  Was ja auch in Ordnung ist, es heißt ja Poetry Slam. Mein Anspruch ist es aber nicht, zu gewinnen. Meiner ist es, eine Bühne zu haben, eine Plattform zu haben, meine Texte machen zu können, Menschen kennenzulernen.

Du benutzt relativ viele klassische Formen, klassische Anspielungen. Woher kommt das?

Ich mag bestimmte klassischen Formen und Autoren, einen gewissen Typ davon, sehr gerne. Gerade Mythologie. Es ist eine andere Form von Kunst, irgendwie subtiler in vielerlei Hinsicht. Das Gefühl, das ich dabei habe, will ich nicht kopieren, aber es hat mich beeinflusst. Ich habe den Anspruch, auch so ein Gefühl erwecken zu können. Abgesehen von der inhaltlichen Ähnlichkeit, ich benutze ja gerne mythologische Bilder, ist mir das am wichtigsten.

Gibt es tote oder lebende Autoren, die dich beeinflusst haben, in dem, was du schreibst?

Natürlich. Ich glaube, niemand kann sagen, dass er völlig unbeeinflusst von anderen Autoren ist. Einfach die Sachen, die ich lese, die Sachen, die ich sehe, beeinflussen mich ja in jeder Art und Weise. Natürlich kann man sich schon mal dabei ertappen, wenn man irgendwas schreibt, dass man denkt, oh, das klingt wie das-und-das. Bei mir ist es so, ich habe auf jeden Fall Einflüsse. Dichter, Autoren, die ich halt viel gelesen habe, Rilke auf jeden Fall, Homer. Ich habe eine Zeit lang viel Murakami gelesen – der ist etwas neuer. Und halt die ganze deutsche Riege durch. In der Schule habe ich damit nicht viel anfangen können, Schule hat mir Lyrik eigentlich ziemlich kaputt gemacht, aber danach habe ich auch die Klassiker, Schiller, Goethe, für mich entdeckt. Und Slampoeten – Poeten muss man auch sehen, ihre Stimme hören, da gibt es auf jeden Fall Leute, zu denen ich aufblicke, vor denen ich ganz viel Respekt habe, wie Frank Kloetgen oder Felix Römer, die das einfach richtig leben. Wo man einfach jedes Wort erfassen möchte, wenn sie auf der Bühne sind.

Was ist dein liebster fremder Slamtext?

Das wechselt manchmal ein bisschen, aber der Text, der sich am meisten gehalten hat, war Möricke Reloaded von Frank Kloetgen. Der hat mich, als ich ihn zum ersten Mal gehört habe, am meisten beeindruckt. Und wegen der Vorbilder – Inspiration ist auch wichtig. Man kann das Wort auch nicht neu erfinden. Man muss halt aus allen Quellen, aus denen man so schöpft, das machen, was man selber schafft, mit der eigenen Sprache. Sie finden und sie beherrschen. Das unmögliche Ziel, sie zu perfektionieren.

Wie fühlt sich das an, wenn man so schnell so bekannt wird?

Ich weiß es nicht – ich sehe das ja nicht so. Ich finde nicht, dass ich unglaublich bekannt bin. Das liegt einfach nur daran, dass ich in Berlin auf fast jedem Slam bin. Ich gehe halt hin und treffe die Leute, die immer da sind, und habe einen schönen Abend mit denen.

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Du sollst weitermachen!

Wenn Daniel es schafft, die Intensität und emotionale Tiefe seiner Performance, an die seiner Texte anzupassen, dann wird er einer der großartigsten Slam Poeten sein, die es im deutschsprachigen Raum gibt!

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coole Photos =)

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