Releases: Michael Feindler - "Rufe aus dem Publikum"

Im Grenzgebiet von Kabarett und Poesie sind schon viele Künstler groß geworden. Dort tummelt sich einer, der erst am Anfang seiner Karriere steht, aber schon mehr Erfahrung als manch alter Hase hat. Bereits im letzten Jahr hat Michael Feindler seinen Gedichtband "Rufe aus dem Publikum" vorgelegt. Sascha Delitzscher hat ihn gelesen.
Michael Feindler ist ein Unikat - und das mit erst 21 Jahren. Wer ihn schon einmal live auf einem Slam gesehen hat, weiß, was gemeint ist. Abgebrüht und mit viel Distanz zum Publikum trägt er seine Zeilen vor, wirkt dabei weise auf die einen, altklug auf die anderen, aber immer authentisch und nie wie die Kopie von irgendwem - bei bereits über sechs Jahren Bühnenpräsenz kein Wunder.
Wem das gefällt, sei ein Blick in Feindlers Gedichtband ans Herz gelegt. Im letzten Jahr bei Lektora erschienen und heute schon in der dritten Auflage ist "Rufe aus dem Publikum" eine Sammlung von Gedichten, die zwischen 2004 und 2008 entstanden sind. Alle haben dabei eins gemeinsam, so das Vorwort, dass sie nämlich Gebrauchslyrik sind und das Buch selbst ein Gebrauchsgegenstand, den man überall mit hinnehmen kann um ein paar Verse zu konsumieren.
Feindlers Humor ist schwarz ohne dabei besonders weh zu tun, Gedichte wie "Bahnprobleme" oder "Das Mäuschen" kommen daher wie knurrende Hunde, die man dennoch einfach nur knuddeln möchte. So möchte in "Bahnprobleme" ein von Verspätungen genervter Bahnkunde "Rachepläne schmieden in Form von Schienen-Suiziden", doch weil dies nur noch mehr Verspätungen verursacht gibt Feindler zum Schluss den Rat "Wirfst du dich irgendwann aufs Gleis, bedenk zuvor den Teufelskreis".
Ab und zu lockert eine von Feindlers Zeichnungen das Lesen auf, wenn diese auch manchmal etwas zu klein im Druck geraten sind und unter manchen Verskaskaden verloren wirken. So dichtet Feindler sich auf den Spuren von Kästner und Konsorten durch die Welt, von Themen wie Schule, Liebe, Krieg und Frieden bis zu gereimten Anekdoten über normale und weniger normale Menschen.
Doch da liegt auch ein Problem. Formal und inhaltlich unzusammenhängende, hintereinander gedruckte Gedichte machen es dem Leser schwer, tiefer einzutauchen oder hängen zu bleiben. Eine etwas durchdachtere Anordnung hätte auch dafür gesorgt, dass man ein Gedicht, das einem gefällt, schneller wiederfindet als durch Brute Force blättern. Im schlimmsten Fall stellt sich gar das Gefühl ein, nur eine Resteverwertung von unveröffentlichten Gedichten, die nirgends sonst Platz gefunden haben, in der Hand zu halten.
Was in langweiligen Schulstunden mit viel Gekicher auf den hinteren Bänken seinen Anfang nahm, findet hier seinen Abschluss, und wer selbst immer mal wieder mit Langeweile konfrontiert wird, der kann in "Rufe" blättern und die Zeit ebenso kichernd verbringen. Michael Feindlers "Rufe aus dem Publikum" sind im Lektora Verlag erschienen und können über den Web-Shop des Verlags zum Preis von 12 Euro bestellt werden.
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