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Releases: Karsten & Petra Lampe (Hrsg.) - Hässlich Willkommen

Releases: Karsten & Petra Lampe (Hrsg.) - Hässlich Willkommen

, Schlagworte: Geflüchtete, Hässlich Willkommen, Karsten Lampe, Petra Lampe, Satyr Verlag
Karsten & Petra Lampe, Foto: Sabrina BeckerKarsten & Petra Lampe, Foto: Sabrina Becker

Texte mit Gedanken zu Flucht, Geflüchteten und Integration finden sich in den letzten Jahren auch auf den Slam- und Lesebühnen immer wieder. Die Anthologie ‚Hässlich willkommen – Texte über Flucht und Heimat‘ ist dabei insofern besonders, dass die meisten Texte darin von Geflüchteten verfasst wurden. Arno Wilhelm hat sie für euch gelesen.

Zu Beginn springen dem geneigten Leser gleich sowohl der ungewöhnliche Titel als auch das Cover ins Auge. ‚Hässlich willkommen‘ lädt zu allerlei Assoziationen ein. Wie der Titel zustande kommt (durch ein Missverständnis), wird später im Buch noch erklärt. Das Cover selbst ist thematisch treffend wie elegant, ein Stift dient dabei als Brücke. Die Anthologie beginnt mit einem Vorwort der Herausgeber Karsten und Petra Lampe. Sie schreiben davon, dass derzeit von allen Seiten unterschiedlichste Ansprüche an Geflüchtete gestellt werden, die Geflüchteten allerdings dabei viel zu selten selber zu Wort kommen. Mit diesem Gedanken wurden Schreibwerkstätten für Geflüchtete veranstaltet, um ihnen diese Möglichkeit zu geben. Aus eben diesen Schreibwerkstätten ist letztlich das Buch entstanden.

Die Texte sind dabei ganz unterschiedlich und individuell. Ein Geflüchteter erzählt beispielsweise von seiner Kindheit als Afghane im Irak und seinen Hoffnungen, in Deutschland zur Schule gehen zu können. Davon, wie sich die Ablehnung per Bescheid anfühlt. Ein anderer von seinen Gründen für die Flucht, seine Angst in Syrien und seinem alten Leben. Aber auch ganz andere Themen wie Sport haben ihren Platz in diesem Buch. Unterschiedlichste Erzählstile und Textformen stehen nebeneinander und vermitteln das Gefühl, dass es nicht darum ging, ein bestimmtes Format zu erzwingen, sondern den Erzählenden Bühne und Raum zu geben. Die Unterschiede zwischen Integration und Inklusion sind ebenso ein Thema in einem der Texte wie die Frage, was eigentlich zuhause ausmacht und was es bedeutet, im Krieg zu leben. Interessant ist auch einer der Texte, in der ein deutscher Slammer über seine Oma als Flüchtling aus Schlesien schreibt. Die vielen unterschiedlichen Perspektiven machen das Buch so unterhaltsam wie lehrreich. Kleine witzige Dialoge zu kulturellen Unterschieden und Missverständnissen stehen neben dem so absurd wie traurigen Protokoll einer Asylanhörung. Texte davon, wie es ist, wenn das Kinderspielzeug Waffen sind, von der Flucht selbst und dem Leben in einer Flüchtlingsunterkunft. Zusätzlich gibt es vereinzelt Erklärungen, wie beispielsweise was eigentlich die Balkanroute ist.

Insgesamt ist es ein Buch, das dem Leser ungewohnte Perspektiven ermöglicht und sowohl interessant als auch unterhaltsam zu lesen ist. Die unterschiedlichsten Autoren und deren Erlebnisse machen es zu einer faszinierenden Lektüre.

„Hässlich Willkommen“, herausgegeben von Karsten & Petra Lampe, ist im Satyr Verlag erschienen, umfasst 103 Seiten und kann für 12 Euro sowohl über den Verlagsshop als auch über Amazon käuflich erworben werden.