Releases: Jan Koch - „Im falschen Cafe“
Jan Koch, Foto: Markus KränzleAm 19. Mai 2010, drei Jahre nach seinem letzten Album, veröffentlichte der Liedermacher und Slampoet Jan Koch seine neue CD. Ulrike Schuster war zu Gast "Im falschen Café" und schildert die gewonnenen Eindrücke auf Slammin' Poetry.
„Ich will mich euch nicht aufdrängen.“, versichert Jan Koch auf seiner Homepage www.jankoch.org. Nein, das tust du keineswegs, Jan. Schon gar nicht mit deinem kürzlich erschienenen Album „Im falschen Café“: Diskret, philosophisch und ein wenig abgeklärt erklingen seine Lieder. Tiefsinnige Texte umsäumt von manchmal mehr, meist weniger temperamentvoller Gitarrenmusik, vereinzelt liebevoll verziert mit Cello- und Pianoklängen. Wie der Titel der CD erahnen lässt, spiegeln die Lieder oft das rettungslose Gefühl wider, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Die Texte erscheinen wie eine Abrechnung mit einer aufwühlenden und holprigen Vergangenheit – so auch das Design der Rückseite des CD-Covers. Und die Bilanz? Es geht nicht um Resignation, sondern um den Blick nach vorn und das Hinter-sich-lassen, um die Schicksalhaftigkeit der Dinge und die Zuversicht.
Durch die musikalische Untermalung werden Stimmungen teilweise besser transportiert, oder aber der Text wird musikalisch gewissermaßen „uminterpretiert“. So fühlte es sich für mich jedenfalls bei „Nirgendwo“ an, einem der berührendsten slam-poetischen Werke, die ich bisher auf einer Bühne gesehen und gehört habe. Während der Text mich auf der Bühne nüchtern und ohne viel Stimmgewalt mit seiner entschiedenen Aussagekraft gefesselt hat, wirkt er auf der CD wie eine dahingesäuselte Seemannsgeschichte über Liebe und Freiheit. (Wer weiß, vielleicht ist es ja eine.)
„Vertane Zeit ist, wenn man festhält, an etwas, das man nicht mehr liebt.“ ist wohl nicht nur die Quintessenz von „Nirgendwo“. Ein vergangener Lebensabschnitt wird auch in „Leben danach“ verarbeitet und abgeschlossen. Das „Leben danach“ ist der unstete Nachklang einer gescheiterten Liebesbeziehung, die schmerz- und lautlos versiegt, während ein neues Leben längst darauf wartet, gelebt zu werden: „Und ich jage neuen Sorgen, neuer Hoffnung hinterher, denn die warten nur auf mich.“ Mit viel mehr Sarkasmus geht es weiter im Neun-Zeiler „Das Messer“: „Du hast dein Messer hier vergessen zwischen Rippe drei und vier. Das tut ein bisschen weh beim Essen und wahrscheinlich fehlt es dir…“ Buchstäblich Herzschmerz, den es zu bekämpfen gilt!
Als Kontrastprogramm zu den restlichen Werken kann man das gesellige Lied „Gary Messkill“ bezeichnen, dessen tiefere Bedeutung sich mir in Bezug auf die restlichen Titel des Albums noch nicht erschlossen hat. Dieser wildwestlich angehauchte Gassenhauer sticht durch ausgeklügelte dichterische Meisterleistung und durch seine tanzbare Melodie heraus.
55 Minuten und 44 Sekunden hat der Hörer die Möglichkeit, sich in eine kleine Phantasiewelt aus Lagerfeuerromantik und sanfter Wehmütigkeit zu träumen. Und dabei wird er immer wieder daran erinnert, dass das Leben auch hin und wieder Türen zum richtigen Café öffnet.
"Im falschen Café" kann man für angemessene 14 Euro direkt über Jans Homepage oder bei amazon bestellen.
Audioanhang
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Jan Koch - Klau mir den Ball (Hörprobe)
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Jan Koch - Im falschen Café (Hörprobe)
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Jan Koch - Nirgendwo (Hörprobe)
Irre genial ...
... fällt mir spontan ein wenn ich das obige Bild mit Jan Kochs Texten und Songs vergleiche
Auch wenn er auf dem Foto wie ein durchgeknallter BlackMetal'ler aussieht, sind seine Songs das krasse Gegenteil. Ich habe Ihn über den "Wieso Berlin?" - gibts auch hier in der Videothek, genial.
Hab schon nen Platz im CD Regal für das falsche Cafe freigestaubt
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