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Releases - Frank Klötgen - Slammed!

Releases - Frank Klötgen - Slammed!

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Frank Klötgen, Foto: Ken YamamotoFrank Klötgen, Foto: Ken Yamamoto

Frank Klötgen hat (seine) Slam-Geschichte geschrieben. Mit einer außergewöhnlichen Abschiedstour nimmt er Abschied vom Slammerdasein. Im Buch ‚Slammed!‘ kann man ihn bei seiner Reise und seinen interessanten Gedankengängen unterwegs begleiten. Arno Wilhelm hat das Buch für euch gelesen.

Frank Klötgen erzählt in „Slammed!“, während er seine Slam-Welttournee erlebt, auch seine Geschichte der vergangenen Jahre als Slammer. Immer wieder blickt er dabei auch auf die Geschichte des Poetry Slam selbst an verschiedenen Orten und betrachtet allerlei spannende Nebenschauplätze. Er berichtet, wie die Idee in ihm keimte nicht mehr bei Slams anzutreten, dicht gefolgt von dem Gedanken, nicht einfach so seinen schwarzen Stetson an den Nagel zu hängen, sondern innerhalb eines Abschiedsjahres eine Reise zu den Slams verschiedenster Länder mit seinen Lieblingslams in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu verbinden. Es wird beim Lesen schnell klar, dass er das Reisen liebt und dafür auch munter Strapazen auf sich nimmt.

Die Tour beginnt stilecht an der Green Mill in Chicago, wo Marc-Kelly Smith das berühmt gewordene Veranstaltungsformat mit Wettbewerb erfunden hat und noch heute durchführt. Frank Klötgen tritt in Hawaii auf, in Vancouver und Seattle. Überall beschreibt er seine Eindrücke und das ausgesprochen ehrlich und direkt. Man erlebt seine Erfahrungen mit, ärgert und freut sich mit ihm über gute und schlechte Wertungen, Moderatoren, Organisatoren und Publikümmer. Zu jedem Slam hält er ausgesprochen akribisch die Anzahl der Zuschauer, der Slammer und Gewinner fest. Zwischen diesen exotischeren Stationen sind auch die Erlebnisse der deutschen Slams vermerkt, von denen es mittlerweile eine große Zahl gibt. Klötgen erinnert sich an seine Anfänge als Slammer, beschreibt den von ihm mitgeprägten Werdegang der deutschen Slamszene hin zu den großen Sälen, die heutzutage mancherorts Monat für Monat bespielt werden. Für Unkundige gibt es ein Glossar am Ende des Buches, das Begrifflichkeiten genauer erklärt, für Interessierte immer wieder QR-Codes mit Links zu zusätzlichen Exkursen zu einzelnen Themen. Sehr ehrlich beschreibt Frank Klötgen auch Freude und Frust, die das Wertungssystem beim Slam regelmäßig mit sich bringt, auch wenn doch eigentlich die Punkte nicht der Punkt sein sollten.

Die Unmengen an Kilometern, die Klötgen sich mit dieser Reise auferlegt hat, bringen auch selbst ihre Probleme mit sich. Eine verschleppte Thrombose macht ihm zeitweise zu schaffen. Mancherorts kommt er an ohne zu wissen, ob der vormals zugesagte Slam überhaupt stattfinden wird. Doch er bleibt seinen Plänen treu. All die Jahre sind große Mengen an Lyrik aus seiner Feder entstanden und von ihm vorgetragen worden. Er geht immer wieder nicht nur mit sich selbst sondern auch mit generellen Entwicklungen im Slam ins Gericht und wünscht sich dabei vor allem häufigeres Auftauchen von ungewöhnlichen Texten und Abweichungen.

Ein Aufenthalt in der Schweiz bringt ihn dazu, über das Künstlerdasein zwischen Bohème und gesperrten Kreditkarten zu sinnieren. Er tritt in Holland auf, besucht in Helsinki sowohl Sauna als Slam, performt in einer italienischen Schule und immer wieder steht auch Deutschland auf dem Programm. Ein Mittelteil im Buch mit Farbfotos gibt einen guten visuellen Einblick über seine Erlebnisse.

Das vollgepackte Jahr bringt ihn auch nach Abu Dhabi, Madagaskar und die Seychellen. Der Leser erfährt von seinen besseren und schlechteren Bühnenmomenten und seinen Gedanken dazu, für große Firmen oder Veranstaltungen aufzutreten. Als wäre das Jahr mit seinen 149 Slams in aller Welt nicht vollgepackt genug, feiert Frank Klötgen mit seiner Band Marilyn‘s Army auch noch das 30-jährige Bandjubiläum groß.

Das Buch endet mit einem großen Dankeschön seinerseits an den Slam. Ohne Frage hat der Slam-Wettbewerb nach diesem fulminanten Abschied, den das Buch würdig zelebriert, einen großen Mitstreiter verloren. Glücklicherweise bleibt er auf Lesebühnen und hinter den Kulissen der Szene nicht vollkommen fern und schreibt auch weiterhin Texte. Nur eben nicht mehr für Poetry Slams. Nach den Danksagungen und allerhand unterhaltsamen Statistiken, folgen noch Links zu den wichtigsten Texten als mp3, damit der Leser auch akustisch erleben kann, wovon textlich die Rede war.

Insgesamt ist das Buch sowohl als Rückblick auf die vergangenen Jahre im Poetry Slam als auch als spektakuläre Momentaufnahme mit Weitwinkel jedem zu empfehlen, der sich für Poetry Slam interessiert, sei es als Zuschauer, schon erfolgreich reisender Poet oder lokaler Nachwuchsslammer.

„Slammed!“ ist im Satyr Verlag als Hardcover erschienen und kann für 21 Euro im Verlagsshop und auf Amazon erworben werden.

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