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Releases: Clara Nielsen, Nora Gomringer (Hrsg.) - Lautstärke ist weiblich

Releases: Clara Nielsen, Nora Gomringer (Hrsg.) - Lautstärke ist weiblich

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Clara Nielsen (Foto: Fabian Hartmann), Nora Gomringer (Foto: Judith Kinitz)Clara Nielsen (Foto: Fabian Hartmann), Nora Gomringer (Foto: Judith Kinitz)

Clara Nielsen und Nora Gomringer haben mit „Lautstärke ist weiblich“ eine beeindruckende und umfangreiche Anthologie mit Texten von 50 Poetry-Slammerinnen zusammengestellt. Arno Wilhelm hat das Buch für euch gelesen.

Auf Poetry Slams und auch auf deren Meisterschaften ist häufig eine gewisse Männerdominanz zu bemerken. Woran mag das liegen? Dass die Qualität der Texte nicht der Grund dafür sein kann, beweist „Lautstärke ist weiblich“ ebenso eindrucksvoll, wie dass es jede Menge Slammerinnen in der deutschsprachigen Slamszene gibt. Im Vorfeld kann man sich die Frage stellen, wie wohl die Texte für eine solche Anthologie mit Texten von Poetry-Slammerinnen ausgewählt werden. Soll es klischeegemäß um weibliche Themen gehen, was auch immer das je nach Blickwinkel eben heißen möge? Oder werden diese gerade vermieden? Angenehmerweise ist beides nicht der Fall. Die Texte scheinen generell nicht thematisch, sondern eben nach Qualität des Textes ausgewählt worden zu sein und demonstrieren gut die Vielfalt an Themen und Formaten, die auf den Slam-Bühnen zu bestaunen ist.

Auf ein Vorwort von Nora Gomringer über ‚laute‘ Frauen folgen unterschiedlichste Themen. Texte über alltägliches genauso wie die großen Perspektiven und Ängste. Texte über das Aufwachsen im Plattenbau, über die erste eigene Band, kritische Betrachtungen der eigenen Fähigkeiten, wahre Bildung und über Midlife-Crisis. Bei den 66 Texten werden Unmengen an Themen angesprochen und Fragen aufgeworfen. Wie erklärt man seinen kleinen Geschwistern, warum jemand sie wegen ihrer Hautfarbe beleidigt? Wie geht man damit um, zu erleben, dass ein Mann eine Frau in der Öffentlichkeit schlecht behandelt? Aus verschiedenen Perspektiven geht es auch um Feminismus, um sexuelle Gewalt, um Angst vor Fremdenhassern.

Die Texte sind grob thematisch sortiert und in fünf Kapitel unterteilt. Das Spiel mit der Sprache ist dabei in vielen Texten sehr unterhaltsam zu beobachten, sei es durch Wortspiele oder wunderbare Wortneuschöpfungen wie beispielsweise das sehr schöne Wort ‚Baustellenbaggerbeobachtungsbegleiter‘, um nur eines von vielen zu nennen. Die Vielzahl an Autoren, die Mischung aus Poesie und Prosa, aus Ernst und Humor, macht die Anthologie sehr spannend, da viele verschiedene Perspektiven, Figuren und Lebensrealitäten aufeinandertreffen oder besser: nebeneinanderstehen. Sei es ein Text darüber, wie man morgens nach dem Aufstehen aussieht, über die Liebe oder über Schwangerschaft, über die Trotzphasen von Kindern oder über das Kennenlernen. Genauso hat auch ein Text über getötete und als Guerilla-Kämpfer ausgegebene Zivilisten in Kolumbien seinen Platz.

Insgesamt ist diese mit 284 Seiten ungewöhnlich dicke Anthologie sehr für ihre beeindruckende textliche Vielfalt aus Poesie und Prosa und die vielen Perspektiven zu empfehlen, die sich dem Leser auftun. Dabei ist das Buch ein klares Statement, was für eine große Bandbreite an Slammerinnen es im deutschsprachigen Raum gibt. Über die 27 Links und QR-Codes im Buch lassen sich viele Texte zusätzlich von den Autorinnen selbst vorgetragen anhören.

„Lautstärke ist weiblich“ ist im Satyr Verlag erschienen und kann für 15 Euro im Verlagsshop oder bei Amazon erworben werden. Die Anthologie ist auch als eBook erhältlich.

An dieser Stelle sei abschließend noch auf den Verein der Slam-Alphas hingewiesen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Slammerinnen dabei zu unterstützen und zu beraten, nicht zuletzt durch ganz konkrete praktische Tipps auf der Seite.

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