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Releases: Christian Ritter - Dichter Schlachten

Rezension: Christian Ritter - Dichter Schlachten

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Christian Ritter, Foto: Anna-Katharina BessererChristian Ritter, Foto: Anna-Katharina Besserer

Ein Krimi, der in der Slam-Szene spielt? Eine großartige Idee. Dazu kommt, dass dieser Krimi mit Christian Ritter auch noch von einem aktiven und erfolgreichen Slammer geschrieben wurde und darin allerlei bekannte Slammer und Slammaster vorkommen. Arno Wilhelm hat für euch nach dem Mörder gesucht und ihn schlussendlich auch gefunden.

Der Krimi „Dichter Schlachten“ beginnt mit zwei Personen, die zunächst gar nichts mit Poetry Slam zu tun haben. Björn und Kim sind gerade erst Kommissare geworden, die Morde rund um die Slam-Szene sind ihr erster richtiger Fall. Wer hier Angst um seine Idole hat, kann sich beruhigen. Ermordet werden nicht die Slammer, auch wenn der ein oder andere im Verlauf des Buches durchaus was auf die Mütze kriegt. Die Mordopfer sind allesamt Jury-Mitglieder aus dem Publikum verschiedener Slams. Björn schleust sich daraufhin im Zuge der Ermittlungen in die Slam-Szene ein und beginnt selber aufzutreten und mit den anderen Slammern auf Tour zu gehen, um die Hintergründe der Taten zu erfahren und den Täter hinter schwedische Gardinen zu bringen. Kim kommt der Szene auf eher körperlichem Weg näher. Von den ersten Taten bis hin zum großen Finale bei den deutschen Meisterschaften im Poetry Slam in Hamburg tauchen jede Menge Gestalten auf, die jeder Leser, egal ob gelegentlicher Youtube-Video-Gucker, regelmäßiger Zuschauer oder selbst aktiver Slammer, leicht mit realen Vorbildern in Verbindung bringen kann. Auch wenn der Autor darauf achtet, dass nicht immer zwangsweise alle Details übereinstimmen, manche bewusst verfremdet sind, können Namen wie Andy Krauß, Moritz Bienenbang, Wolf Hodenkrampf und Theresa Baal unschwer ihren Alter Egos zugeordnet werden.

Herausragend an diesem Krimi ist, dass er sich auf seinem Weg zur Auflösung selbst nicht zu ernst nimmt. Zwischendurch wird auf Stilbrüche oder kleinere Logikfehler, wie die unglaublich schnelle Gründung einer Sonderkommission hingewiesen, oder auch mal in die Schreibweise des klassischen Reclam-Dramas gewechselt. Diese Gelassenheit gegenüber den Standards ist unglaublich unterhaltsam und macht die Klischees und Übertreibungen, mit denen Christian Ritter im Buch spielt, vom Beiwerk zum unterhaltsamen Stilmittel.  Der ganze Plot nimmt im Vorbeigehen eine Bestandsaufnahme der Slam-Szene vor, die gleichermaßen für Slammer, regelmäßige Zuschauer und Nicht-Slaminteressierte unterhaltsam sein dürfte, auch wenn letzteren sicherlich viele kleine Anspielungen und Details entgehen würden.
Die kurzen Szenen aus wechselnden Perspektiven sind angenehm zu lesen und mit viel Wortwitz geschrieben. Kritisch bei Krimis ist ja allzu oft die Herleitung  des Motivs. Auch hier spielt Ritter mit Klischees, trotzdem funktioniert das Motiv im Kontext der Geschichte hervorragend. Im großen Finale im Schauspielhaus wird zum Schluss nochmal jede Menge Drama geboten. Insgesamt ist das Buch sehr unterhaltsam zu lesen und vor allem für Slambegeisterte und Slammer wärmstens zu empfehlen.

„Dichter Schlachten“ ist im Unsichtbar Verlag erschienen und kann für 9,99 € direkt beim Verlag oder bei Amazon in den eigenen Besitz gebracht werden.

 

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