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Nachtrag: Poetry Slam Meisterschaften 2009

, Schlagworte: Deutschsprachige Meisterschaften, K.u.K., PauL, Team Tübingen, Über den Tellerrand

Das Teamfinale - einfach der Hammer!

Mit anderen Worten: Performance Poesie auf höchstem Niveau, ein Ohren- und Augenschmaus für Slamverliebte – das ist er, der alljährliche Teamwettbewerb im Rahmen der deutschsprachigen Meisterschaften. Man könnte auch sagen eine emotionale Berg- und Talfahrt durch einen Dschungel aus Worten, vorbei an wortgewaltigen Urgesteinen und stürmischen Neuankömmlingen, mitten durchs Buchstaben-Wirrwarr hinein ins Dickicht der deutschen Sprache und von dort aus hinauf auf den Gipfel der Wortgewandtheit…

Jetzt aber hinaus aus dem Urwald und hinein in die Halle: Die in den Vorrunden ausgewählten Teams, stellten sich in diesem Jahr im Kulturzentrum zakk einem slambegeisterten Finalpublikum. Nachdem ein Teil der Zuschauer noch geflasht von den Einzel- und U20-Vorrunden durch den Raum taumelt (vielleicht war ich auch die Einzige), suchen sich immer mehr (potentielle) Slamfans einen Platz auf dem Boden vor der Bühne um die Slam-Elite anzuhimmeln. Okay. Wollen wir mal nicht übertreiben. Jedenfalls warten alle gespannt.

Pünktlich um 22 Uhr geht es dann sofort in die Vollen! Die amtierenden Meister Strübing und Ebeling vom Team LSD (Liebe statt Drogen, was sonst) zeigen den Anwesenden, wo der Frosch die Locken hat. Außerhalb der Wertung demonstrieren sie eindrucksvoll, was es heißt Meister zu sein. Der Funke ist übergesprungen - die Menge tobt. Knapp 900 Besucher glauben nun an den Poetry-Slam-Gott. Das freut mich sehr!

Das auf Qualität geeichte, mittlerweile stehende Publikum (inkl. Jury) ist begeistert. Frenetisch jubelnd wird jedes der insgesamt zwölf Teams auf der Bühne gefeiert. Die selbsternannte Boygroup SMAAT (Gabriel Vetter, Lars Ruppel, Felix Römer und Sebastian23) erlaubt dem Publikum mit ihrem Text „Von oben“ einen subtilen Blick auf die Dinge („Mauern sind sehr gerade Haufen“). Geräuschvoll, provokativ und ziemlich groovig „copy-pasten“ sich die Jungs von der Lesedüne (Sebastian Lehmann, Maik Martschinkowsky, Kolja Reichert und Mark-Uwe Kling) mit der „Kopiermaschine“ in die Herzen der Zuschauer, jedoch nicht ins Endfinale. Das Team Totale Zerstörung (Julius Fischer und André Herrmann) schaffte es mit einem schicksalhaften Toilettengang, auf einen dankbaren vierten Platz in der Gesamtwertung. Nicht ganz so erfolgreich, aber sprachlich keinesfalls verbesserungswürdig, präsentierten sich die Semsrott Zwillinge (Nico und Arne Semsrott), die als einziges Team einen politischen Text mit typisch semsrottischem leicht zynischem Beigeschmack zum Besten gaben.

An sprachlicher Eleganz fehlte es auch Pauline Füg und Tobias Heyel alias Großraumdichten nicht: Ihr Appell „Aktivität statt Passivität“ geht neben den choreografischen und wortakrobatischen Höchstleistungen ihrer Mitstreiter jedoch ein wenig unter. Team und Struppi (Moritz Neumeier und Jasper Diedrichsen) hätten beispielsweise beinahe einen Stuntman für ihre Performance gebraucht und Wujazzbang aus Wien (Yasmine Hafedh und Jimi Lend) - aus mir unerfindlichen Gründen auf den letzten Platz verbannt - brachten das Publikum mit Freestyle und Zuschauerinteraktion in Wallung. Kein Freestyle aber trotzdem ganz eigenen Style boten mal wieder die jungen und wilden Chaostheoretiker von Allen Earnstyzz (Stefan Dörsing, Julian Heun, Temye Tesfu und Scott Horst) mit einer Art Kampfansage gegen das System (Kein Affe ist illegal).

Ziemlich auf dem absteigenden Ast standen die Weltherrschaftsanwärter vom Team Düsseldorf (Marco Kreye, Michael Wefers und Jonas Jahn): Die Lokalmatadore schafften es nur auf Platz elf, was zumindest für die Objektivität der Jury spricht.
Letztendlich slammt sich das Team Tübingen (Harry Kienzler und Jackob Nacken) mit einem genialen Live-Report des Dichterduells Goethe vs. Schiller aus dem Jahre 1804 direkt auf Platz eins der ersten Runde. Mit den „alten Eisen“ der Slamszene k.u.k. (Frank Klötgen und Wehwalt Koslovsky) und den Durchstartern PauL – Poesie aus Leidenschaft (Bumillo, Heiner Lange, Philipp Scharrenberg) steht der, ich möchte fast sagen nervenaufreibenden, Endrunde nichts mehr im Wege.

Die gefühlte Temperatur im zakk hat mittlerweile die 50-Grad-Marke überschritten. Die Stimmung ist förmlich am kochen. Dann geht alles ganz schnell: In einem Kopf-an-Kopf-Rennen setzen sich die leidenschaftlichen Poeten aus Bayern mit ihrem Pro-Allein-Contra-Mensch-Text gegen die Tübinger Verfechter „versgefügter Harmonie“ durch. Klötgen und Koslovsky, die Freunde der klassischen Dichtung, landen auf Platz drei. PauL hatte schon in der ersten Runde mit schauspielerischen Höchstleistungen geglänzt: In der Rolle eine Selbsthilfegruppe aus Brokern und Bankern, die dem Kapitalismus zum Opfer gefallen sind („Habgier ist KEIN Imperativ!“).

Konfetti, Tränen der Freude und Jubelgeschrei erfüllen den Raum. ALLE Slammer und das Publikum feiern! Es gibt jede Menge Applaus für die Dichter (nicht für die Wertung). Wie machen die das bloß? Auch ich habe Tränen in den Augen. 

Jurywertung erste Runde Team Finale:
1.    Team Tübingen, 48.3 Punkte
2.    PauL, 47.8 Punkte
3.    k.u.k., 45.7 Punkte
4.    Team Totale Zerstörung, 44.6 Punkte
5.    Team und Struppi, 44.4 Punkte
6.    SMAAT, 43.3 Punkte
7.    Allen Earnstyzz, 43.2 Punkte
8.    Lesedüne, 43.2 Punkte
9.    Die Semsrott Zwillinge, 43 Punkte
10.  großraumdichten, 41.9 Punkte
11.  Team Düsseldorf, 41.5 Punkte
12.  WUJAZZBANG, 41.4 Punkte

Jurybewertung Team Finale Stechen:
1.   PauL, 49.4 Punkte
2.   Team Tübingen, 49 Punkte
3.   k.u.k., 47.5 Punkte

Text: ueley

 

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Danke für den Nachtrag

Eine wirklich schöne Zusammenfassung der Veranstaltung, klasse geschrieben.

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