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Der Rosislam im Februar

, Schlagworte: Allen Earnstyzz, Anke Fuchs, Bas Boettcher, Renato Kaiser, Rosislam

Wenn ich in Berlin bei einem Poetry Slam bin, habe ich mittlerweile, nachdem die auftretenden Poeten vorgestellt wurden, eine recht genaue Vorstellung, was ich von dem Abend erwarten kann. Nach einem Jahr regelmäßiger Slam Besuche kenne ich einen großen Teil der Lokalprominenz, den Stil der Texte und die Vortragsweisen schon recht gut. Hin und wieder versuchen sich Neulinge auf der Bühne, die aber selten auf Anhieb mit ihren Texten an die etablierten Poeten heranreichen. Der Besuch von auswärtigen Poeten, ob als Special Guest oder als Wettbewerbsteilnehmer, birgt oft das größte Potenzial im Laufe der Veranstaltung Auftritte zu sehen, die unerwartete Akzente setzen. Ein gutes Beispiel hierfür war der Rosislam am 06. Februar in Berlin Friedrichshain.

Mit einem Arbeitskollegen, den ich nach einigen Versuchen überzeugt hatte, betrat ich gegen 20:30 Uhr das Rosis. Wir suchten uns einen freien Platz auf dem kalten, erst halb belegten Boden vor der Bühne – eine Besonderheit des Rosis, da hier kaum andere Sitzgelegenheiten zur Verfügung stehen. Eine halbe Stunde später eröffnete der Slam Master Wehwalt Koslovsky die Veranstaltung und übergab die Bühne an Renato Kaiser, dem Special Guest des Abends aus der Schweiz. Dieser stimme das Publikum mit zweien seiner sehr sympathisch vorgetragenen Texte auf den Wettbewerb ein.

Es folgte die erste Runde des Slams, in der sich das Team Allen Earnstyzz, bestehend aus Julian Heun und Tommy Tesfu, deutlich gegen die direkten Konkurrenten Sina und Daniel durchsetzen konnte. In Runde 2 machte die mir völlig unbekannte Anke Fuchs aus Köln den Anfang und begab sich auf die unterhaltsame Suche nach einem verheißungsvollen Produkt, welches die Multifunktionsversprechen der Werbeindustrie für verschiedenste Haushalts-, Pflege- und Ernährungspräparate in sich vereint. Die nachfolgenden Poetinnen der zweiten Runde, Bea und Xóchil, mussten sich diesem Text geschlagen geben. Runde 3 ging an Bas Böttcher, der kurzfristig für den nicht erschienenen Gauner einsprang und sowohl Konserve als auch Victoria-Louise Seifried auf die Plätze verwies.

Nach einer kleinen Pause absolvierte Renato Kaiser seinen zweiten Auftritt als Special Guest und unterhielt das Publikum mit einem frisch verfassten Text über einige von ihm erdachte Strategien zur Eroberung der holden Weiblichkeit. Die sichtlich amüsierten Gäste waren damit bestens für das Finale eingestimmt, das von Bas Böttcher mit einem augenzwinkernden Plädoyer für mehr gegenseitiges Verständnis begann. Es folgte Julian Heun und Tommy Tesfu mit einem  eindrucksvollen Teamauftritt. Als letzte Finalteilnehmerin betrat anschließend Anke Fuchs die Bühne.

Ich hatte, mit Hinblick auf ihren Vorrundenauftritt, mit einem unterhaltsamen bis ironischen Text gerechnet und war überrascht, als Anke einen kritischen, nachdenklich stimmenden Text vortrug. Die während ihres Texts „Was wisst ihr schon davon?“ plötzlich eingetretene Stille im Publikum zeigte, dass ich nicht der Einzige war, der anderes erwartet hatte. Mit einem brandenden Applaus in der folgenden Abstimmung kürte das Publikum Anke selten deutlich zur Siegerin des Rosislam.

Auf meine Anfrage hin teilte mir Anke zwei Tage später mit, dass insbesondere zum Finaltext noch kein Videomitschnitt existierte. Ich bat sie mich zu informieren, wenn sich dies ändern sollte. Nur eine knappe Woche später erhielt ich ihre Email mit dem Hinweis, dass es nun einen Mitschnitt des besagten Textes von einem Poetry Slam in Halle gäbe, wo Anke übrigens ebenfalls das Finale gewann. Im Folgenden seht Ihr je einer Version der Texte, die Anke beim Rosislam in Vorrunde und Finale vortrug.

Was wisst ihr schon davon?

Anke Fuchs mit Ihrem Text "Was wisst ihr schon davon?".

All in one

Anke Fuchs trägt Ihren Text "All in one" vor.

Bild von ralfingBild von ralfing

Frau Fuchs beeindruckt

Schade das ich bei diesem Slam nicht dabei war. Die Frau Fuchs hat mich in den beiden Videos echt begeistert. Nicht nur weil es schön ist, wieder ein neues Gesicht in der Szene zu erblicken sondern weil ich die Mischung aus ernsten und lustigen Texten sehr spannend finde. Ich habe mich schon bei vielen Slams gefragt: "Wie wärs eigentlich wenn Victoria Seifried mal lustig wäre oder wie käme es an, wenn Anselm Neft mal einen nachdenklichen Text bringt?" - Anke Fuchs zeigt, das kann gut funktionieren. Bin sehr gespannt mehr von Ihr zu hören.

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