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Das Gesamtpaket zum hier essen, bitte!

, Schlagworte: Bastardslam, Dominik Bartels, Florian Cieslik, Josefine Berkholz, Sträter

Der Bastardslam am 16. April

Es war Freitag - und wie jeden Freitag bügelte die Slammin' Poetry Redaktion die Hemden des Chefredakteurs und brachte die Wohnung in eine Form für die sogar der Olymp unwürdig gewesen wäre. In einem Kampf auf Leben und Tod wurde ausgemacht, wer dem Slam am Abend beiwohnen durfte. Ich erblickte das blutige Ende, als ich mit dem Katzenklo fertig war - das in seiner Reinlichkeit selbstredend sogar den Wünschen einer Paris Hilton gerecht geworden wäre - und durfte als einziges unversehrtes Mitglied den Abends außerhalb des Kellers verbringen.

Das war auch besser so, denn am 16.04. beherbergte der Festsaal Kreuzberg den Bastardslam! Als Moderatoren hielten Wolf Hogekamp und Lino Ziegelt die Bühne im Griff. Dreizehn Poeten waren bereit der Aufmerksamkeit der Anwesenden gerecht zu werden. Aber zunächst wartete noch ein, im heterosexuellen Sinne, Leckerbissen auf die Gäste.

Der Feature-Poet des Abends betrat die Bühne und der Saal erstrahlte aufgrund der Lichtgestalt - Thorsten Sträter. Aus der Reihe "Texte aus dem Ruhrgebiet" wurde den Zuschauern zunächst "Die Sache mit Struppi" näher erläutert. Der kleine, Hosenbeine schwängernde Hund der Oma Christl, sein feierliches Begräbnis, seine Undercover-Zerteilung in der Mitte und der plötzliche Wunsch der Oma ihren geliebten Struppi nun doch ausstopfen zu lassen, stimmte das Publikum auf einen noch familiäreren und persönlicheren Text ein. In "Trainierte Schimpansen" lobt Sträter zwar unter anderem den Intellekt dieser Kot werfenden Gesellen indirekt, legt jedoch vordergründig die Geschichte um die Geburt seines Sohnes offen. Berührend, aber vor allen Dingen hilfreich für einige der männlichen Zuschauer. Die Lebensweisheit eines Sträter-Bekannten "Ein Mal Pimmel in den Spalt, zwanzig Jahre Unterhalt!" wurde rasch notiert. Der Saal ließ Sträter schweren Herzen, jedoch mit einem gebührenden Applaus, von der Bühne gehen und der Wettbewerb begann.

Till Reiners durfte seinem Unmut bezüglich der immer gebräuchlicheren Wortkreation „Kopfkino“ Ausdruck verleihen. Sein Auftritt lässt sich durch einen Satz aus eben diesem charakterisieren: die Wut als kostbarster Treibstoff. Nebenher ist nun auch mal klar gestellt, dass Ausschlafen nur im Futur II Sinn macht! Also, wenn ich das nächste mal ausgeschlafen haben werde, denke ich an dich, Till.Danach durfte auch schon der jüngste Teilnehmer des Abends ans Mikrophon: Robin aka das Plakat. Mit "Das in mir" bewies er, dass man mit vierzehn Jahren mehr machen kann, als darüber nachzudenken, wie sich Brüste wohl anfühlen. Michael Heide folgte mit einem gerappten Text über LAN-Partys und Wodka-RedBull und sicherte sich dank "001100011" einen Platz auf der Festplatte, bzw. im Herzen jedes anwesenden Nerds. Sarah Bosetti bediente die Anhänger Freuds mit ihrem "Es". Wieso Es das Über-Ich frisst und sagt, es sei das Ich soll einem der Psychologe des Vertrauens detaillierter veranschaulichen. Für mich ist und bleibt eine Zigarre nur eine Zigarre! Damit war die erste Runde schon beendet und das Publikum durfte wie üblich durch Applaus, bzw. Lautstärke abstimmen und es zeigte sich das altbekannte Problem: es ist nicht immer eindeutig. Aber Wolf stellte die zwei lautesten Lager ruhig und lies somit Till und Sarah weiter.

Runde 2 folgte sogleich und wurde von Konserve eröffnet. Der brachte gleich zwei Texte mit. "Ihr habt euren Dummen" und "Nur noch Augen für dich" bildeten einen Kontrast zueinander - ein Kommentar zur Außenwelt und einer zum Ich. Johannes Kolbe teilte berichtete anschließend gereimt von seinen Gedanken während eines Flugs über den Wolken: Wahre Erlösung gibt es nicht im Himmel, oder bei Gott - das Leben ist hier, auf der Erde. Als nächster betrat Dominik Bartels die Bühne. "Wie ich einmal beinahe einen Arbeitsvertrag unterschrieb" zeigt den optimalen Bewerber für eine Arbeitsstelle der heutigen Zeit: Multilingual, Multitaskig fähig, multipliziert. Die insgesamt zwölf Persönlichkeiten, vereint in Dominiks Körper, wären der perfekte Bewerber für jeden Arbeitgeber, aber sie entschlossen sich kurzum doch, dem Arbeitsplatz die kalte Schulter zu zeigen - gute Stellen sind so schwer zu finden. Daniel Hoth gab seinen Klassiker "4 und 7" zum Besten und beglückte den Abend mit einer neuen Handbewegung für Lyriker - wer unwissend ist sollte sich schämen und beim nächsten Mal lieber anwesend sein! Der Festsaal Kreuzberg beförderte Dominik, also die Dominiks, oder Dominik (+ X) ins Finale.

Nach einer Pause beglückte Sträter auf ein neues das Mikrophon - sexuelle Anspielungen  sind aufgrund technischer Unmöglichkeiten nicht beabsichtigt, doch werden eventuelle Skizzeneinreichungen zur Kenntnis genommen. Erstrundenteilnehmer Robin aka das Plakat wurde kräftig von ihm gelobt und es folgte ein Geständnis: Sträter kann keine Poesie. Aber die akustischen Freudensprünge des Publikums nach dem Satz "Scheiß drauf, ich les´doch lieber ´nen Text!" machten deutlich, dass man Stärken ausbauen sollte, anstatt Schwächen zu korrigieren. Ein Utopia, in dem Quentin Tarentino Regisseur der Verfilmung von Harry Potter 7 wird, wurde vorgestellt, sowie eine einfache Gleichung: übergewichtiger Kerl + Smart = Ironman. Der zweite Text handelt von subjektiver und objektiver Wirklichkeit eines "Kokstrips" - bei einem Elternabend. Die Pointe von "Das ist Sparda!" wird an dieser Stelle nicht verraten!

Prompt wurde die dritte Runde begonnen und Josefine Berkholz trat auf die Bühne. Ihr Text sprach einem vom Deutsch-Leistungskurs Geplagten aus der Seele: Mit den Worten "Texte von toten Dichtern sind eigentlich scheiße" leitete sie ihren Auftritt ein. Man wurde aufgefordert, die Welt in eigene Worte zu fassen und sie entsprach ihrem eigenen Ideal, denn der Text war "auf  seine Art wunderbar". Gut, dass Michael Ebeling nach längerer Slamabstinenz erneut zur Bühne zurück gefunden hat. Sonst wäre dem Publikum die Darbietung seines bekannten Textes "Klick" verwehrt geblieben. Demnach hat seit Jörg Haider  jeder rechts-populistische Politiker einen VW Phaeton als Dienstwagen verdient. Florian Cieslik folgte mit einem Text, in der er der gepeinigten deutshen Sprache seine Stimme lieh . Früher war alles schön, doch es wird zunehmend schwerer durch zahlreiche Imbissbuden, wie den Zuhörern deutlich gemacht wurde. So entstehen neue Wortkreationen in diesen Pilgerstätten der modernen Linguisten wie "Schnipobi" - eine Abkürzung für "Schnitzel mit Pommes und ein Pils, bitte". Man bemerke, dass das "bitte" keinen Beitrag zur abgekürzten Form der Bestellung leistet! Schriftstehler rechnete anschließend mit all jenen ab, die viel reden, aber letztendlich nichts zu sagen haben und "nur gebrauchte Gedanken fallen lassen". Und dann kam Sven Antpöhler. Sagen wir es so: Ich glaube es ging um einen Osterhasen mit langen Ohren und wie er die Autobahn versperrte, als er angefahren rumlag. So sicher bin ich mir da nicht, da .... also ganz ehrlich, ich weiß nicht ob ich zu klug, oder zu dumm dafür bin. Aber wer weiß das heute noch? Der Auftritt hat für ein konstantes Gelächter auf verschiedenen Plätzen im Saal gesorgt und das spricht für sich! Nichtsdestotrotz entschied man sich ohne Hippie-Scheiße - dank Wolf Hogekamps Machtwort! -  für Florian Cieslik als letzten Finalisten!

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